Pfand in Berlin: Das 25-Cent-Depositsystem und die unübersehbare Pfandsammler-Kultur der Stadt

Fast jede in Deutschland verkaufte Getränkeflasche oder -dose trägt ein Pfand, ein in den Preis eingebautes Depositgeld, das zurückkommt, sobald der leere Behälter zurückgegeben wird, und Berlin läuft auf demselben Bundessystem wie überall sonst im Land. Einwegverpackungen (Einwegpfand), die die überwältigende Mehrheit der Plastikflaschen und Dosen abdecken, tragen unabhängig von Größe oder Marke pauschal 25 Cent, und jeder Laden, der denselben Materialtyp verkauft, muss sie zurücknehmen, nicht nur der konkrete Laden, in dem gekauft wurde. Mehrwegverpackungen (Mehrwegpfand), größtenteils wiederbefüllbares Glas, tragen 8 Cent bei Flaschen bis 0,5 Liter und 15 Cent bei größeren, aber nur bei einem Laden, der genau diesen Typ, diese Form und Größe tatsächlich selbst verkauft. Was Berlin tatsächlich auszeichnet, ist, wie sichtbar die menschliche Seite dieses Systems ist. Eine von fritz-kola beauftragte YouGov-Umfrage bezifferte die Zahl der aktiven Pfandflaschen-Sammlerinnen und -Sammler in ganz Deutschland 2026 auf rund 1,10 Millionen, und zentrale Berliner Orte wie der Breitscheidplatz und die Umgebung des Brandenburger Tors sind seit weit über einem Jahrzehnt dokumentierte Treffpunkte für Pfandsammlerinnen und Pfandsammler. Friedrichshain-Kreuzbergs eigenes Straßen- und Grünflächenamt führt jeden 1. Mai eine offizielle Sammelaktion im Görlitzer Park durch, sammelt Glasflaschen intakt ein, bevor eine Menschenmenge sie zerbrechen kann, und gibt den Pfandwert an Gangway e.V. und Fixpunkt e.V. weiter, zwei Organisationen, die im Park bedürftige Menschen unterstützen; 2026 kamen bei dieser Aktion allein über 1.000 Euro an Pfand zusammen, obwohl sich das Reinigungsvolumen des Bezirks nach dem Feiertag im Jahresvergleich fast verdoppelte. Anderswo in der Stadt betreibt der gemeinnützige Verein Sozialhelden e.V. PFANDGEBEN-Pfandinseln in gewöhnlichen Parks wie dem Park am Buschkrug und dem Volkspark Friedrichshain das ganze Jahr über, nicht nur bei Festivals, und rettete damit allein 2024 240.000 Flaschen und Dosen aus Berlins Abfallstrom. Was Berlin weiterhin fehlt, ist ein stadtweites Pfandring-Netz wie in Köln: Ein Mitte-der-2010er-Jahre-Pilotprojekt der BSR am Hardenbergplatz und rund um den Bahnhof Spandau geriet wiederholt in Vandalismus und wurde still auf Bezirksebene weitergereicht, statt ausgeweitet zu werden.

Die offizielle Regel

Wer fast überall in Deutschland ein Getränk in einer Plastikflasche oder Dose kauft, dem wird automatisch ein kleines Pfand auf den Preis aufgeschlagen, das direkt zurückkommt, sobald der leere Behälter zurückgegeben wird. Berlin fährt keine lokale Version dieser Regel, es handelt sich um Bundesverpackungsrecht (das Verpackungsgesetz), hier genauso angewendet wie in München, Hamburg oder einem Dorf in der Eifel, und das System teilt sich in zwei Kategorien, die sich bei genauerem Hinsehen recht unterschiedlich verhalten.

Einwegpfand deckt Einwegverpackungen ab, im Wesentlichen jede gewöhnliche Plastikflasche und Aluminiumdose, und die Preisgestaltung wurde bewusst einfach gehalten: pauschal 25 Cent, unabhängig von Größe, Marke oder Inhalt. Seit dem 1. Januar 2024 gilt dasselbe 25-Cent-Pfand auch für Einweg-Plastikflaschen milchbasierter Getränke, Kefir und Ayran eingeschlossen, solange das Getränk mindestens zur Hälfte aus Milch besteht und die Flasche zwischen 100 Millilitern und 3 Litern fasst. Händler, die Getränke in dieser Art Verpackung verkaufen, müssen leere Behälter desselben Materials kostenlos zurücknehmen, und diese Pflicht ist nicht an den konkreten Laden gebunden, der das Getränk verkauft hat. Jeder Laden, der diesen Materialtyp führt, muss die Rückgabe annehmen, was in der Praxis bedeutet, die Flasche in einen Rückgabeautomaten zu geben, den Leergutautomaten am Eingang praktisch jedes deutschen Supermarkts.

Mehrwegpfand folgt einer strengeren, spezifischeren Logik. Es deckt wiederbefüllbare Glasflaschen und eine kleinere Gruppe wiederverwendbarer Plastikflaschen ab, weniger an einem einheitlichen Stempel als an einem direkt auf Flasche oder Etikett gedruckten Wortlaut erkennbar: “Mehrweg”, “Leihflasche” oder “Pfandflasche” sind die gängigen Begriffe, nach denen man Ausschau halten sollte. Auch die Preisgestaltung ist hier nicht pauschal, 8 Cent für Flaschen bis 0,5 Liter (die Standard-Biergröße), 15 Cent für alles Größere, etwa eine 1-Liter-Saftflasche. Die engere Regel, über die viele stolpern, ist die Rücknahmepflicht selbst: Ein Laden muss nur eine Mehrweg-Flasche zurücknehmen, die dem Typ, der Form und der Größe entspricht, die er tatsächlich führt. Die Marke ist irrelevant, das Format ist entscheidend, eine Mehrweg-Flasche, die ein bestimmter Laden schlicht nicht führt, kann dort abgelehnt werden, während dieselbe Flasche eine Straße weiter ohne zweiten Blick angenommen wird.

Berlins zwei Pfandsysteme auf einen Blick
EinwegMehrweg
PfandbetragPauschal 25 Cent8 Cent bis 0,5L, 15 Cent darüber
RücknahmepflichtJeder Händler, der dieses Material führtNur Händler, die genau dieses Format führen
Typische VerpackungPlastikflaschen, Dosen, Milch/Kefir/Ayran seit 2024Wiederbefüllbares Glas, einige wiederverwendbare Kunststoffflaschen
Woran man es erkenntDPG-Pfandzeichen, Barcode"Mehrweg", "Leihflasche" oder "Pfandflasche" auf der Flasche

Berlins Flaschensammlerinnen und -sammler sind unmöglich zu übersehen, und die Zahlen erklären warum

Wer nur einige Zeit im zentralen Berlin verbringt, bemerkt es schnell: jemand, der sich still durch die orangefarbenen BSR-Papiertonnen entlang einer Einkaufsstraße arbeitet, eine Parkbank nach einer vergessenen Flasche absucht, oder mit einer Sammeltüte in der Nähe eines Wahrzeichens steht. Die eigene Berichterstattung des Tagesspiegel über das Phänomen hat den Breitscheidplatz in Charlottenburg und den Bereich um das Brandenburger Tor als langjährige Sammelpunkte hervorgehoben, neben Fußballspielen und anderen großen öffentlichen Veranstaltungen, bei denen ein einziger Nachmittag eine echt lohnende Ausbeute bringen kann.

Das ist keine Randerscheinung, und sie schrumpft auch nicht. Eine YouGov-Umfrage im Auftrag des Getränkeunternehmens fritz-kola, Teil seiner regelmäßigen “Pfand gehört daneben”-Forschung, zwischen dem 2. und 22. April 2026 bundesweit erhoben, bezifferte die Zahl der Menschen, die aktiv Pfandbehälter sammeln, auf rund 1,10 Millionen, ein leichter Anstieg gegenüber 1,05 Millionen im Jahr zuvor. Dieselbe Umfrage widerlegt eine verbreitete Annahme über das Warum: Nur 17 Prozent der Allgemeinheit vermuteten, dass Menschen hauptsächlich sammeln, um der Umwelt zu helfen oder den öffentlichen Raum sauber zu halten, aber 40 Prozent der Sammlerinnen und Sammler selbst nannten genau das als Hauptgrund. Das Geld, um das es dabei geht, ist real, aber für die meisten bescheiden, 82 Prozent der Sammlerinnen und Sammler gaben an, weniger als 200 Euro im Monat damit zu verdienen, und 56 Prozent weniger als 100 Euro. Die öffentliche Meinung hat sich eher zu stiller Akzeptanz als zu Ablehnung entwickelt: 88 Prozent der Deutschen lehnten die Idee eines Verbots des Pfandsammelns rundweg ab, und 72 Prozent sagten, es würde sie nicht stören, wenn jemand eine Flasche neben statt in einen öffentlichen Mülleimer stellt.

Drei identische Plastikflaschen mit leeren weißen Etiketten nebeneinander stehend, die Art Einwegbehälter, die über Deutschlands Pfandsystem zurückgegeben wird

Foto von Emma Pollard auf Pexels

Görlitzer Park führt jeden 1. Mai eine eigene offizielle Sammelaktion durch

Ein Berliner Ort tut in dieser Hinsicht etwas tatsächlich Kommunales, statt es vollständig informellen Sammlerinnen und Sammlern zu überlassen. Friedrichshain-Kreuzbergs eigenes Straßen- und Grünflächenamt führt rund um den 1. Mai, dem größten und chaotischsten Feiertag des Bezirks, eine eigene Pfandaktion im Görlitzer Park durch, wenn sich der Park mit einer Menschenmenge füllt, die erhebliche Mengen an Glas zurücklässt. Statt zu warten, bis dieses Glas zertreten und zur Gefahr wird, richten Mitarbeitende und Kiezhausmeister-Teams Sammelstellen ein, an denen intakte Flaschen direkt abgegeben werden können, und der eingesammelte Pfandwert geht an Gangway e.V. und Fixpunkt e.V., zwei Organisationen, die täglich im Park bedürftige Menschen unterstützen. 2024 kamen auf diese Weise rund 6.600 Flaschen zusammen.

Die Praxis läuft weiter, und die Zahlen wachsen mit der Menschenmenge mit. Berichterstattung über die Aufräumarbeiten nach dem 1. Mai 2026 bezifferte den im Görlitzer Park allein gesammelten Pfandwert auf über 1.000 Euro, obwohl sich das gesamte Reinigungsvolumen des Bezirks nach dem Feiertag im Jahresvergleich fast verdoppelte, rund 180 Kubikmeter Abfall aus dem Bereich Kreuzberg und Görlitzer Park von insgesamt etwa 350 Kubikmetern stadtweit, geräumt von rund 170 Mitarbeitenden und 70 Fahrzeugen. Obwohl das Bezirksamt diesen Anstieg als besorgniserregend bezeichnete, plante die grün geführte Verwaltung nicht, als Reaktion mehr öffentliche Mülleimer aufzustellen, und wollte das Problem stattdessen auf anderem Weg angehen.

Pfandinseln, die das ganze Jahr über funktionieren, nicht nur bei Festivals

Berlins größte Festivals erhalten die meiste Aufmerksamkeit für ihre PFANDGEBEN-Pfandinseln, die vom gemeinnützigen Verein Sozialhelden e.V. betriebenen Getränkekasten-Sammelpunkte, an denen jede und jeder eine leere Flasche oder Dose für eine Sammlerin oder einen Sammler hinterlassen kann, statt sie aus einem Mülleimer zu fischen. Weniger bekannt ist, dass dasselbe System auch still, das ganze Jahr über, in gewöhnlichen Berliner Grünflächen läuft, die nichts mit einem Festivalkalender zu tun haben, darunter der Park am Buschkrug in Neukölln und der Volkspark Friedrichshain. Über alles zusammengenommen, Festivals und dauerhafte Park-Installationen, beziffern Sozialheldens eigene Zahlen für 2024 die Gesamtwirkung auf 240.000 stadtweit vor dem Zerbrechen oder der Deponie gerettete Flaschen und Dosen, 45 bis 57 Tonnen zum Recycling zurückgewonnenes Glas, und 31.150 Euro Pfandwert, direkt an die sammelnden Personen ausgezahlt.

Warum Berlin nie Kölns oder Frankfurts Pfandring-Netz aufgebaut hat

Wer in Köln gelebt oder Frankfurts eigene Flaschen-Parkplätze gesehen hat, ein fester Bestandteil der dortigen “Just for Pfand”-Initiative seit 2021, könnte erwarten, dass Berlin etwas Ähnliches an seine öffentlichen Mülleimer geschraubt hat. Hat es nicht, jedenfalls nicht stadtweit, und der Grund geht auf ein konkretes, gescheitertes Experiment zurück, nicht auf mangelndes Interesse. Berlins eigener Abfallbetrieb, die BSR, testete 2014 und 2015 Pfandboxen am Hardenbergplatz und rund um den Bahnhof Spandau, gedacht als sauberere Alternative zum Durchsuchen des Mülls für Sammlerinnen und Sammler. Die Boxen füllten sich fast sofort mit gewöhnlichem Müll, wurden nach einer Neugestaltung Ziel von Vandalismus, und die Flaschensammlerinnen und -sammler selbst durchsuchten Berichten zufolge trotzdem weiterhin die regulären Mülleimer, offenbar nicht überzeugt, dass andere Berlinerinnen und Berliner ihr Leergut tatsächlich korrekt sortieren würden. Die BSR stellte das stadtweite Pilotprojekt schließlich ein und reichte die physischen Halter an die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau weiter, statt das Programm auszuweiten. Ein separater Vorstoß von Grünen-Bezirkspolitikerinnen und -politikern in Charlottenburg-Wilmersdorf 2012, Flaschenhalter bezirksweit an öffentlichen Mülleimern anzubringen, scheiterte auf dieselbe Weise: Die BSR selbst lehnte die Unterstützung ab, unter Verweis auf Verunreinigungs- und Verletzungshaftungsbedenken. Das Ergebnis ist eine Stadt, in der das Pfandsammeln in der Praxis vollständig normalisiert ist, aber noch fast ausschließlich auf individueller Initiative und einmaligen Bezirks- oder Festivalprogrammen läuft, statt auf dauerhafter stadtweiter Infrastruktur.

Schritt für Schritt

  1. Prüfen Sie, ob eine Flasche oder Dose Einweg oder Mehrweg ist. Suchen Sie nach "Mehrweg", "Leihflasche" oder "Pfandflasche" auf der Verpackung; fehlt einer dieser Aufdrucke, handelt es sich fast sicher um Einweg.
  2. Bei Einweg-Behältern jeden Berliner Supermarkt auf Ihrem Weg nutzen. Allein REWE listet rund 155 Filialen in der Stadt, und jede davon muss qualifizierende Einweg-Behälter unabhängig von der Marke zurücknehmen.
  3. In den Rückgabeautomaten am Eingang geben. Er scannt und nimmt den Behälter automatisch an, falls das Material qualifiziert, oder weist ihn zurück, falls es sich um ein Mehrweg-Format handelt, das dieser Laden nicht führt.
  4. Bei Mehrweg-Flaschen einen Laden versuchen, der genau diesen Typ, diese Form und Größe tatsächlich verkauft. Eine Ablehnung bedeutet meist nur den falschen Laden, nicht einen defekten Automaten.
  5. Wer sich die eigene Rückgabe sparen möchte, stellt die Flasche neben statt in einen öffentlichen Mülleimer. Eine kleine, weithin akzeptierte Höflichkeit, die einer Pfandsammlerin oder einem Pfandsammler erlaubt, sie zu holen, ohne im Müll zu wühlen.
  6. Rund um den Görlitzer Park am 1. Mai die eingerichteten Sammelstellen nutzen, falls vorhanden. Eine intakte Flasche dort abzugeben unterstützt direkt Gangway e.V. und Fixpunkt e.V., und hält zerbrochenes Glas aus einem vollen Park heraus.

Hinweis zur Verlässlichkeit

Diese Seite erklärt den allgemeinen Rahmen von Deutschlands Pfandsystem, wie es in Berlin angewendet wird, Stand Mitte 2026. Konkrete Pfandbeträge, Ladenrichtlinien und die genannten Zahlen zur Aktivität von Flaschensammlerinnen und -sammlern sowie zu Parkprogrammen können sich von Jahr zu Jahr ändern. Für etwas Konkretes zu einem bestimmten Produkt, Händler oder einer Veranstaltung direkt bei dieser Quelle nachfragen.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Ich habe ein Getränk in einem Berliner Laden gekauft, kann ich das Leergut woanders zurückgeben?

Bei Einweg-Flaschen und -Dosen ja, und das ist ein echter Rechtsanspruch, keine Kulanz eines bestimmten Ladens. Jeder Händler, der Getränke im selben Materialtyp verkauft, muss den leeren Behälter annehmen und die 25 Cent Pfand erstatten, unabhängig davon, welche Filiale oder Kette ihn tatsächlich verkauft hat. Allein REWE listet rund 155 Filialen in Berlin, und jede von ihnen unterliegt derselben Verpflichtung, ein extra Weg zurück zum genauen Laden ist also selten nötig. Mehrweg-Flaschen sind enger gefasst: Ein Laden muss nur eine Flasche zurücknehmen, die dem Typ, der Form und der Größe entspricht, die er tatsächlich verkauft, eine Mehrweg-Flasche einer Marke, die eine bestimmte Filiale nicht führt, kann dort tatsächlich abgelehnt werden.

Wie unterscheide ich Einweg von Mehrweg, ohne zu raten?

Mehrweg-Behälter tragen üblicherweise direkt auf der Flasche oder dem Etikett den Aufdruck "Mehrweg", "Leihflasche" oder "Pfandflasche", während Einweg-Behälter typischerweise nur das DPG-Pfandzeichen und einen Barcode tragen. Ein einziges universelles Kennzeichnungssystem wie beim pauschalen 25-Cent-Einwegbetrag gibt es dafür nicht, ist man sich also wirklich unsicher, sagt es der Rückgabeautomat in jedem Berliner Supermarkt sofort: Er scannt und nimmt den Behälter an, falls das Material qualifiziert, oder weist ihn direkt zurück, falls es sich um ein Mehrweg-Format handelt, das dieser Laden nicht führt.

Machen die Flaschensammlerinnen und -sammler, die ich in Berlins Parks Mülleimer durchsuchen sehe, etwas Illegales?

Nein. Das Sammeln von Pfandflaschen aus öffentlichen Mülleimern ist in Deutschland eine weithin geduldete und zunehmend normalisierte Tätigkeit, und Berlin bildet keine Ausnahme. Eine 2026er YouGov-Umfrage im Auftrag von fritz-kola fand, dass 88 Prozent der Bevölkerung ein Verbot des Pfandsammelns ablehnen, und 72 Prozent sagten, es würde sie nicht stören, wenn jemand eine Flasche neben statt in einen Mülleimer stellt. Dieselbe Umfrage bezifferte die Zahl der aktiven Sammlerinnen und Sammler bundesweit auf rund 1,10 Millionen Menschen, die meisten davon mit unter 200 Euro Einnahmen im Monat, und 40 Prozent nannten Umwelt- oder Sauberkeitsmotive als Hauptgrund, deutlich mehr, als die Allgemeinheit annimmt. Auf Privatgelände wird strenger durchgegriffen, Bahnhofsvorplätze oder Einkaufszentren zum Beispiel, wo Sicherheitspersonal Sammlerinnen und Sammler mancherorts gebeten hat weiterzuziehen, aber das Durchsuchen eines öffentlichen Straßenmülleimers in einem Berliner Park ist an sich nicht gesetzeswidrig.

Was ist an Görlitzer Park rund um den 1. Mai besonders?

Friedrichshain-Kreuzbergs eigenes Straßen- und Grünflächenamt führt dort jeden 1. Mai eine eigene Pfandaktion durch, dem größten und chaotischsten Feiertag des Bezirks, wenn sich der Park mit einer Menschenmenge füllt, die erhebliche Mengen an Glas zurücklässt. Statt zuzusehen, wie dieses Glas zertreten und zur Gefahr wird, richten Mitarbeitende und Kiezhausmeister-Teams Sammelstellen ein, an denen intakte Flaschen direkt abgegeben werden können, und der eingesammelte Pfandwert geht an Gangway e.V. und Fixpunkt e.V., zwei Organisationen, die täglich im Park bedürftige Menschen unterstützen. 2024 kamen dabei rund 6.600 Flaschen zusammen.

Hat Berlin dauerhafte Pfandring-Flaschenhalter an seinen öffentlichen Mülleimern, wie Köln oder Frankfurt?

Nicht stadtweit, und der Grund geht auf ein konkretes, gescheitertes Experiment zurück, nicht auf mangelndes Interesse. Berlins eigener Abfallbetrieb, die BSR, testete 2014 und 2015 Pfandboxen am Hardenbergplatz und rund um den Bahnhof Spandau, gedacht als sauberere Alternative zum Durchsuchen des Mülls. Die Boxen füllten sich fast sofort mit gewöhnlichem Müll, wurden nach einer Neugestaltung Ziel von Vandalismus, und die Flaschensammlerinnen und -sammler selbst durchsuchten Berichten zufolge trotzdem weiterhin die regulären Mülleimer, offenbar nicht überzeugt, dass andere Berlinerinnen und Berliner ihr Leergut korrekt sortieren würden. Die BSR stellte das stadtweite Pilotprojekt schließlich ein und reichte die physischen Halter an die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau weiter, statt es auszuweiten. Ein separater Vorstoß von Grünen-Bezirkspolitikerinnen und -politikern in Charlottenburg-Wilmersdorf 2012, Flaschenhalter bezirksweit an öffentlichen Mülleimern anzubringen, scheiterte auf dieselbe Weise, nachdem die BSR selbst wegen Verunreinigungs- und Verletzungshaftungsbedenken die Unterstützung ablehnte.