Der Aufpreis auf dem Becher beim Karneval der Kulturen ist kein Abzocke: Berlins Mehrweg-Pfandregeln erklärt

Der Aufpreis auf ein Getränk beim Karneval der Kulturen, einem Berliner Weihnachtsmarkt oder fast jedem Festival ist kein versteckter Preisaufschlag, sondern ein rückerstattbares Becherpfand, und dahinter steht Bundesrecht. Seit dem 1. Januar 2023 verpflichtet die Mehrwegangebotspflicht (§§ 33, 34 Verpackungsgesetz) die meisten Verkäuferinnen und Verkäufer von Speisen und Getränken, neben Einwegverpackungen auch eine Mehrwegalternative anzubieten, und übernimmt ein Veranstalter das Catering selbst, gilt das gesamte Veranstaltungsgelände als eine einzige Verkaufsstelle statt stand- oder standeinzeln bewertet zu werden. Berlins eigene Abfallwirtschaftsbetriebe, die BSR, bestätigen und kontrollieren das vor Ort. Was Berlin wirklich auszeichnet, ist, wie die größten wiederkehrenden Veranstaltungen der Stadt damit umgehen. Der Karneval der Kulturen verbietet Glasflaschen und Dosen aus Sicherheitsgründen komplett auf seinem Umzugs- und Straßenfestgelände, serviert Getränke in Mehrwegbechern, und untermauert das mit einem Pfandinselsystem namens PFANDGEBEN, betrieben vom gemeinnützigen Verein Sozialhelden e.V.: 2024 retteten die 13 Inseln auf dem Fest insgesamt 26.786 Flaschen und Dosen vor dem Zerbrechen, davon 20.320 allein in den acht Stunden des Umzugs, umgerechnet rund 1.016 volle Getränkekisten, und dieselben PFANDGEBEN-Inseln tauchen auch bei Rave the Planet, der Berliner EM-Fanmeile und Lollapalooza Berlin auf. Auf dem WeihnachtsZauber-Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt liegt der Glühweinbecher-Pfand pauschal bei 3 Euro, der Markt bringt jedes Jahr ein neues Becherdesign heraus, für das Besucherinnen und Besucher gezielt wiederkommen, und laut einer Sprecherin des Marktes gilt das Mitnehmen eines nicht zurückgegebenen Bechers rechtlich als Unterschlagung einer geringwertigen Sache, weil der Becher selbst Eigentum des Verkäufers bleibt, eine schärfere Einordnung als ein bloß verfallenes Pfand. Berlin führte außerdem eine eigene Mehrweg-Kampagne durch: BSRs Better World Cup, gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt; die geförderte Projektphase endete im Dezember 2023, auch wenn die zugrunde liegende Rechtspflicht nie erloschen ist, und Berlins neuere Zero-Waste-Agentur, gegründet am 18. Juli 2023 und bei der BSR angesiedelt, trägt den stadtweiten Mehrweg-Vorstoß seither weiter. Die Kleinunternehmen-Ausnahme bleibt bundesweit eng gefasst: höchstens 5 Beschäftigte UND höchstens 80 Quadratmeter, beides zusammen, wobei Filialketten unabhängig von der Größe des einzelnen Stands als ein Unternehmen zählen.

Berlins Veranstaltungen bauen mehr auf die Grundregel auf

Neuankömmlinge, die annehmen, der Aufpreis auf ein Festivalgetränk sei eine Art Touristenzuschlag, liegen nur halb falsch: Es handelt sich tatsächlich um einen zusätzlichen Betrag über dem Getränkepreis, aber er ist rückerstattbar, und er existiert wegen eines Bundesgesetzes, nicht weil ein einzelner Verkäufer beschlossen hat, mehr zu verlangen. Was Berlin einen eigenen Blick wert macht, ist nicht das Gesetz selbst, das überall in Deutschland identisch ist, sondern wie viel die eigenen Leuchtturm-Veranstaltungen der Stadt darauf aufgesetzt haben.

Der Karneval der Kulturen ist das klarste Beispiel. Bei der jährlichen Parade und dem Straßenfest sind Glasflaschen und Dosen auf dem gesamten Gelände komplett verboten, eine Sicherheitsmaßnahme angesichts dessen, wie leicht Glas in einer dichten Menschenmenge zerbricht und schneidet, und Verkäufer servieren Getränke selbstverständlich in Mehrwegbechern. Über diese Grundlage hinaus betreibt die Veranstaltung ein eigenes Pfandinselsystem namens PFANDGEBEN, geführt vom Berliner gemeinnützigen Verein Sozialhelden e.V.: feste Punkte auf dem Gelände, ausgestattet mit leeren Getränkekisten, an denen jeder eine Pfandflasche oder -dose abstellen kann, statt sie wegzuwerfen, sodass Flaschensammlerinnen und Flaschensammler, lokal als Pfandsammler bekannt, das Pfand einsammeln können, ohne in Mülltonnen zu wühlen. 2024 retteten die 13 Pfandinseln der Veranstaltung 26.786 Flaschen und Dosen vor dem Zerbrechen, davon 20.320 allein in den acht Stunden des Umzugs selbst, umgerechnet rund 1.016 volle Getränkekisten. Dieselben PFANDGEBEN-Inseln sind auch nicht auf den Karneval der Kulturen beschränkt, sie tauchen auch bei anderen großen Berliner Veranstaltungen auf, darunter Rave the Planet, die Berliner EM-Fanmeile und Lollapalooza Berlin.

Mehrwegbecher- und Pfandsysteme bei Berlins großen wiederkehrenden Veranstaltungen
VeranstaltungSystemDetail
Karneval der Kulturen (Mai/Juni)Mehrwegbecher, Glasverbot, PFANDGEBEN-Inseln13 Inseln, 2024 wurden 26.786 Behälter gerettet
WeihnachtsZauber, Gendarmenmarkt (Nov-Dez)Marktweiter BecherpfandPauschal 3 Euro, jedes Jahr neues Becherdesign
Andere Berliner WeihnachtsmärkteStand- oder marktbezogener BecherpfandBetrag variiert je nach Standort, nicht stadtweit veröffentlicht
Rave the Planet, EM-Fanmeile, Lollapalooza BerlinPFANDGEBEN-PfandinselnGleiches Sozialhelden-e.V.-System, andere Gelände

Das Bundesgesetz dahinter

Nichts davon ist eine eigene Berliner Erfindung. Seit dem 1. Januar 2023 verpflichtet Deutschlands Mehrwegangebotspflicht, geregelt in §§ 33 und 34 des Verpackungsgesetzes (VerpackG), die meisten Betriebe, die Speisen oder Getränke in Einwegverpackung verkaufen, auch eine Mehrwegalternative anzubieten. Laut der eigenen Erklärung des Veranstaltungsverbands EVVC ist die entscheidende Frage bei jeder Veranstaltung, wer die Speisen- und Getränkeversorgung betreibt: Übernimmt der Veranstalter das Catering direkt, gilt das gesamte Veranstaltungsgelände gesetzlich als eine einzige Verkaufsstelle, statt Stand für Stand bewertet zu werden.

Wer in Berlin einen Mehrwegbecher anbieten muss
Vorgabe
Rechtsgrundlage§§ 33, 34 Verpackungsgesetz (VerpackG)
In Kraft seit1. Januar 2023
Kleinunternehmen-AusnahmeHöchstens 5 Beschäftigte UND höchstens 80 m², beides zusammen
Filialketten und Mehrstandort-BetriebeZählen zusammen als ein Unternehmen, keine Ausnahme
Zuständige Behörde in BerlinBSR (Berliner Stadtreinigungsbetriebe)

Die BSR, Berlins Abfallwirtschaftsbetrieb, ist die offizielle Anlaufstelle für die Regel in der Stadt, und sie sagt dasselbe wie die zuständige Behörde jeder anderen deutschen Stadt: Selbst ein Betrieb unterhalb der Größenschwelle muss auf Wunsch den eigenen sauberen Mehrwegbehälter der Kundschaft befüllen, für diesen Teil gibt es keine Ausnahme.

Ein Plastikbecher Bier neben einer Essens-Mitnahmebox auf einem hölzernen Picknicktisch im Freien

Foto von Julia Filirovska auf Pexels

Der Becher vom Gendarmenmarkt gehört Ihnen, aber nicht rechtlich

Berlins Weihnachtsmärkte zeigen eine andere Seite derselben Regel. Beim WeihnachtsZauber, dem seit rund zwei Jahrzehnten stattfindenden Markt auf dem Gendarmenmarkt, liegt der Glühweinbecher-Pfand pauschal bei 3 Euro, und jede Saison erscheint ein neues Becherdesign, attraktiv genug, dass laut der eigenen Sprecherin des Marktes Besucherinnen und Besucher gezielt zurückkommen, um die Ausgabe des jeweiligen Jahres zu holen. Dieselbe Sprecherin hat auch gesagt, dass der Betrag von 3 Euro bewusst hoch genug angesetzt ist, um einen nie zurückkommenden Becher zu decken, ein Eingeständnis, dass durchaus viele Menschen ihren Becher einfach behalten.

Hier wird Berlins Einordnung schärfer als anderswo in Deutschland: Rechtlich kauft man mit dem Glühwein nur das Getränk, der Becher selbst bleibt durchgehend Eigentum des Verkäufers, weshalb das Mitnehmen eines nicht zurückgegebenen Bechers technisch Unterschlagung einer geringwertigen Sache ist, statt eines schlichten verfallenen Pfands. In der Praxis verfolgt niemand einzelne Besucherinnen und Besucher deswegen, aber es lohnt sich zu wissen, dass die rechtliche Realität hier eine Stufe ernster ist als ein einfaches “das Geld ist eben weg”. Andere Berliner Weihnachtsmärkte abseits des Gendarmenmarkts legen ihren eigenen Becher und Preis unabhängig fest, der 3-Euro-Betrag lässt sich also nicht automatisch auf die ganze Stadt übertragen.

Berlin hatte eine eigene Mehrwegkampagne, und sie ist bereits ausgelaufen

Eine weitere Berlin-spezifische Einzelheit gehört ehrlich dazu, weil sie eher gegen als für eine reine Erfolgsgeschichte spricht. Neben dem Bundesgesetz führte Berlin einen eigenen gezielten Vorstoß gegen Einwegbecher: Better World Cup, gestartet von der BSR gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie einer Koalition aus Wirtschafts- und Umweltverbänden. Die Kampagne zielte auf eine auffällige Zahl, rund 460.000 Einwegbecher, die in Berlin täglich verbraucht wurden, jeder davon im Schnitt nur 15 Minuten im Einsatz, bevor er weggeworfen wurde. Die geförderte Projektphase von Better World Cup endete im Dezember 2023.

Das rührt nicht an der zugrunde liegenden gesetzlichen Pflicht, die Bundesrecht ist und unverändert gilt, bedeutet aber, dass die konkrete stadtweite Kampagne, auf die Neuankömmlinge im Internet stoßen könnten, keine aktive Initiative mehr ist. Fortgeführt wird die Arbeit von Berlins Zero-Waste-Agentur, einer bei der BSR angesiedelten Stelle, gegründet am 18. Juli 2023 gemeinsam mit derselben Senatsverwaltung, die die Ausweitung von Mehrwegpraktiken als eines ihrer fünf erklärten Schwerpunktthemen für die Stadt nennt. Wer Berlins aktuelle, aktive Anlaufstelle für Mehrweg-Anliegen sucht statt einer ausgelaufenen Kampagne, findet sie dort.

Was die Praxis noch zeigt

Die aktuelle Seite von Sozialhelden e.V. selbst zeigt, dass das PFANDGEBEN-System seit den 2024er Zahlen weiter gewachsen ist: Für den Karneval der Kulturen führt die Organisation inzwischen 14 statt 13 Pfandinseln und rund 32.000 statt 26.786 gerettete Flaschen und Dosen an, ein Zeichen dafür, dass sich das Angebot von Jahr zu Jahr ausweitet, statt auf dem 2024er Stand stehenzubleiben. Für die konkreten, unabhängig über die Berliner Zeitung bestätigten 2024er Zahlen (13 Inseln, 26.786 Behälter insgesamt, 20.320 davon zwischen 14 und 22 Uhr am Umzugstag) bleibt die oben genannte Quelle maßgeblich, wer sich für den aktuellsten Stand interessiert, findet ihn auf der laufend aktualisierten Sozialhelden-Seite selbst.

Schritt für Schritt

  1. Rechnen Sie bei fast jedem Berliner Festival, Straßenfest oder Weihnachtsmarkt mit einem Pfandaufschlag auf den Getränkepreis. Das ist gesetzlich vorgeschriebene Standardpraxis nach Bundesrecht, kein einmaliger lokaler Aufschlag.
  2. Stellen Sie beim Karneval der Kulturen Flaschen und Dosen an einer PFANDGEBEN-Pfandinsel statt in eine Mülltonne. Flaschensammlerinnen und -sammler holen das Pfand an diesen festen Punkten ab, und Glasflaschen und Dosen sind auf dem Gelände ohnehin verboten.
  3. Planen Sie beim WeihnachtsZauber am Gendarmenmarkt 3 Euro pro Becher ein und kennen Sie die rechtliche Tragweite, ihn zu behalten. Der Becher bleibt Eigentum des Verkäufers, ein nicht zurückgegebener Becher ist also technisch Unterschlagung, nicht nur ein verlorenes Pfand.
  4. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein einziger stadtweiter Pfandbetrag überall gilt. Andere Berliner Weihnachtsmärkte und Veranstaltungen legen ihre eigenen Becherpreise unabhängig fest.
  5. Nehmen Sie nicht an, dass ein klein wirkender Stand von der Mehrwegbecher-Pflicht ausgenommen ist. Die Ausnahme greift nur unter 5 Beschäftigten UND 80 m², und Filialketten zählen unabhängig von der Größe des einzelnen Stands als ein Unternehmen.
  6. Wenn Sie online zu Berlins Mehrwegkampagnen recherchieren, wissen Sie, dass Better World Cup im Dezember 2023 ausgelaufen ist. Die heute aktive Mehrweg-Anlaufstelle der Stadt ist die bei der BSR angesiedelte Zero-Waste-Agentur.

Hinweis zur Verlässlichkeit

Diese Seite erklärt den allgemeinen rechtlichen Rahmen hinter Mehrwegbecher-Pfandsystemen in Deutschland und wie er sich bei konkreten Berliner Veranstaltungen und Märkten auswirkt, Stand Mitte 2026. Pfandbeträge, Bechersysteme und Verkäuferpraxis können und werden von Saison zu Saison geändert. Für den genauen Betrag bei einer bestimmten Veranstaltung oder einem bestimmten Stand vor Ort nachfragen.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Ist der Becherpfand bei jeder Berliner Veranstaltung gleich hoch?

Nein, und Berlin ist eine besonders schlechte Stadt, um das zu erraten. Der WeihnachtsZauber am Gendarmenmarkt verlangt laut Aussage der eigenen Sprecherin gegenüber der Lokalpresse pauschal 3 Euro pro Becher. Andere Weihnachtsmärkte der Stadt, am Alexanderplatz, in Spandau oder anderswo, legen ihre eigenen Beträge fest, statt einer einheitlichen stadtweiten Zahl zu folgen. Auch der Karneval der Kulturen arbeitet mit Mehrwegbechern, sein eigentliches Nachhaltigkeitsmerkmal sind aber eher die PFANDGEBEN-Pfandinseln für lose Flaschen und Dosen als ein einzelner öffentlich beworbener Becherpreis. Jede Veranstaltung sollte als eigenes System behandelt und vor Ort geprüft werden, statt anzunehmen, dass sich ein Betrag überträgt.

Müssen auch kleine Stände und einmalige Veranstaltungsverkäufer wirklich einen Mehrwegbecher anbieten?

Nur die tatsächlich kleinen, und Berlin wendet denselben strengen bundesweiten Test an wie überall sonst in Deutschland. Die Ausnahme setzt höchstens 5 Beschäftigte UND höchstens 80 Quadratmeter Verkaufsfläche voraus, beide Bedingungen gleichzeitig. Ein Betrieb mit mehreren Ständen oder Standorten wird für diesen Test als ein einziges Unternehmen gezählt, selbst wenn jeder einzelne Stand bescheiden wirkt, ein kleiner wirkender Stand eines größeren Betreibers bekommt also keine Ausnahme. Selbst ein wirklich ausgenommener Stand muss auf Wunsch trotzdem den eigenen Mehrwegbecher der Kundschaft befüllen, für diesen Teil des Gesetzes gibt es überhaupt keine Ausnahme.

Was passiert, wenn ich den Becher auf einem Berliner Weihnachtsmarkt einfach behalte, statt ihn zurückzugeben?

Speziell beim WeihnachtsZauber am Gendarmenmarkt hat die Sprecherin des Marktes gesagt, dass die 3 Euro Pfand bewusst so bemessen sind, dass ein verlorener Becher damit gedeckt ist, und dass durchaus viele Besucherinnen und Besucher ihren Becher behalten, jedes Jahr erscheint ein neues Design und wird gesammelt. Rechtlich bleibt der Becher aber Eigentum des Verkäufers, auch nachdem das Getränk darin bezahlt wurde, weshalb das Mitnehmen technisch Unterschlagung einer geringwertigen Sache ist, nicht einfach ein verfallenes Pfand, wie es anderswo in Deutschland dargestellt wird. In der Praxis wird das bei einzelnen Besucherinnen und Besuchern nicht verfolgt, aber die rechtliche Realität ist hier eine Stufe ernster als ein bloßes 'das Geld ist eben weg'.

Was sind die Getränkekisten, die ich beim Karneval der Kulturen sehe, ist das dasselbe wie der Becherpfand?

Ein verwandtes, aber eigenständiges System. Der Karneval der Kulturen verbietet Glasflaschen und Dosen aus Sicherheitsgründen komplett vom Umzugs- und Straßenfestgelände, weil zerbrochenes Glas in einer dichten Menschenmenge ein echtes Verletzungsrisiko ist, und Verkäufer servieren Getränke in Mehrwegbechern nach derselben Regel, die bei jeder deutschen Veranstaltung gilt. Zusätzlich richtet die Veranstaltung PFANDGEBEN-Pfandinseln ein, feste Punkte mit leeren Getränkekisten, an denen jeder eine leere Pfandflasche oder -dose statt in den Müll dorthin stellen kann, sodass Flaschensammlerinnen und -sammler (Pfandsammler) das Pfand einsammeln können, ohne im Müll zu wühlen. 2024 retteten die 13 Inseln der Veranstaltung 26.786 Behälter vor dem Zerbrechen, davon 20.320 allein in den acht Stunden des Umzugs. Dasselbe PFANDGEBEN-System, betrieben vom gemeinnützigen Verein Sozialhelden e.V., läuft auch bei Rave the Planet, der Berliner EM-Fanmeile und Lollapalooza Berlin.

Läuft Berlins Mehrwegkampagne Better World Cup noch?

Nicht mehr als aktiv geförderte Kampagne, und das sollte man ehrlich sagen, statt Neuankömmlinge auf ein ausgelaufenes Programm zu verweisen. Better World Cup startete als gemeinsame Initiative der BSR, der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie einer Koalition aus Wirtschafts- und Umweltverbänden, mit dem Ziel, die rund 460.000 Einwegbecher zu reduzieren, die Berlin täglich verbrauchte, jeder davon im Schnitt nur 15 Minuten lang genutzt. Die geförderte Projektphase endete im Dezember 2023. Das ändert nichts an der zugrunde liegenden gesetzlichen Pflicht, die Bundesrecht ist und uneingeschränkt weitergilt, aber die konkrete stadtweite Kampagne ist nicht mehr aktiv. Berlins neuere Zero-Waste-Agentur, eine bei der BSR angesiedelte, am 18. Juli 2023 gemeinsam mit derselben Senatsverwaltung gegründete Stelle, hat den breiteren Mehrweg-Vorstoß seither als eines von fünf erklärten Schwerpunktthemen übernommen.

Ist das ein Berlin-spezifisches Gesetz, oder gilt es überall in Deutschland?

Das Gesetz selbst ist Bundesrecht und bundesweit identisch: Die Mehrwegangebotspflicht nach §§ 33 und 34 des Verpackungsgesetzes gilt seit dem 1. Januar 2023 in Berlin, München, Hamburg und überall sonst. Was sich von Stadt zu Stadt unterscheidet, ist, welche lokale Behörde sie erklärt und durchsetzt, und wie einzelne Veranstaltungen sie umsetzen. In Berlin ist das die BSR. Was Berlin wirklich unterscheidet, ist nicht die zugrunde liegende Regel, sondern wie die eigenen großen wiederkehrenden Veranstaltungen der Stadt, allen voran der Karneval der Kulturen, zusätzliche Systeme wie die Pfandinseln von PFANDGEBEN auf die gesetzliche Grundpflicht aufgesetzt haben.