Kassenpatient oder Privatpatient in Berlin: Was bundesweite Studien zeigen, und was Berlin selbst nie gemessen hat
Der messbare Wartezeit-Unterschied zwischen gesetzlich (Kassenpatient) und privat (Privatpatient) Versicherten bei der Facharztterminvergabe ist ein bundesweiter Befund, den weder die KV Berlin noch eine Berliner Zeitung eigens für diese Stadt nachgemessen haben. Eine Feldstudie des RWI Leibniz-Instituts mit rund 1.000 Testanrufen bei Facharztpraxen bundesweit zwischen April 2017 und Mai 2018 fand für Privatpatienten im Schnitt 12 Tage Wartezeit auf einen Termin, gegenüber 25 Tagen für gesetzlich Versicherte, und stellte fest, dass die Ungleichbehandlung in dicht besiedelten Städten tendenziell größer ausfällt als auf dem Land. Eine Recherche für diese Seite hat KV Berlins eigene Patienten- und Praxisseiten, den Bedarfsplan, das Sicherstellungsstatut sowie Presseberichterstattung durchsucht, ohne eine eigens für Berlin durchgeführte Version dieses Vergleichs zu finden, diese Lücke im öffentlichen Datenbestand ist es wert, offen benannt zu werden. Was Berlin dagegen sehr wohl und sehr aktuell dokumentiert, ist der eigene Hausärztemangel: Laut Deutschem Ärzteblatt waren im Januar 2025 in Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Köpenick zusammen 118 Arztsitze unbesetzt, mit der Prognose, dass in den kommenden Jahren rund ein Drittel der dortigen Hausärztinnen und Hausärzte in den Ruhestand geht. Genau dieser Mangel gehört zu den Argumenten für die bundesweite Debatte um die vollständige Entbudgetierung der Hausarztvergütung, jenen Mechanismus, den Studien bundesweit für den Terminvorteil von Privatpatienten verantwortlich machen. KV Berlin reagiert bereits selbst: mit Ansiedlungszuschüssen bis zu 60.000 Euro, einer eigenen KV-Eigeneinrichtung in Treptow-Köpenick seit Oktober und einem Telemedizin-Pilotprojekt mit speziell geschulten, ärztlich betreuten Rettungsassistenten.
Was bundesweit gilt, und was Berlin nicht eigens gemessen hat
Zahlt sich private Versicherung in Deutschland tatsächlich in einem schnelleren Facharzttermin aus? Messbar ja, zumindest auf Bundesebene. Eine Feldstudie des RWI Leibniz-Instituts, durchgeführt zwischen April 2017 und Mai 2018 mit echten Testanrufen bei rund 1.000 Facharztpraxen bundesweit, fand für privat Versicherte im Schnitt 12 Tage Wartezeit auf einen Termin, gegenüber 25 Tagen für gesetzlich Versicherte. Die Studie stellte zudem fest, dass die Ungleichbehandlung in dicht besiedelten Städten und Kreisen tendenziell stärker ausfällt als auf dem Land, und in Ostdeutschland etwas geringer als in Westdeutschland.
Keine dieser Untersuchungen wurde in Berlin selbst durchgeführt, und das ist relevant, wenn Sie gezielt nach der Berliner Realität suchen statt nach dem Bundesdurchschnitt. Für diese Seite wurden KV Berlins eigene Patienten- und Praxisseiten, ihr Bedarfsplan und Sicherstellungsstatut sowie Presseberichterstattung durchsucht, auf der Suche nach einer eigens für Berlin durchgeführten Version dieses Vergleichs, etwa einer Testanruf-Studie bei Berliner Praxen als Kassen- und als Privatpatient, oder einer KV-Berlin-Zahl, die eigene Terminservicestellen-Vermittlungen nach Versicherungsart aufschlüsselt. Keine wurde gefunden. Das ist eine echte Lücke im öffentlichen Datenbestand, die es verdient, offen benannt zu werden, statt mit bundesweiten Zahlen als vermeintlich lokalem Befund kaschiert zu werden.
| Studie | Privat versichert (PKV) | Gesetzlich versichert (GKV) |
|---|---|---|
| RWI Leibniz-Institut, Testanrufe 2017-2018 | 12 Tage im Schnitt | 25 Tage im Schnitt |
| Universität Hamburg, Dermatologie und Orthopädie | ~7 Tage | ~16 Tage |
Berlin ist dort, wo die Budgetgrenze selbst auf dem Prüfstand steht
Was KV Berlin tatsächlich und sehr detailliert veröffentlicht, ist, wo die eigene Arztkapazität innerhalb der Stadt konkret knapp wird, und das hängt mit demselben zugrunde liegenden Mechanismus auf eine genuin Berliner Weise zusammen. Bereits im Mai 2024 zählte das Deutsche Ärzteblatt 86 unbesetzte Hausarztstellen in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg zusammen sowie weitere 42 in Treptow-Köpenick, Zahlen, die Ärzte Zeitung unabhängig bestätigte. Die aktuellere Zahl ist noch deutlicher: Laut einer Ärzteblatt-Meldung vom 30. Januar 2025 waren zu diesem Zeitpunkt in Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Köpenick zusammen 118 Arztsitze unbesetzt, mit der zusätzlichen Prognose, dass in den kommenden Jahren rund ein Drittel der dortigen Hausärztinnen und Hausärzte in den Ruhestand geht, eine strukturelle Verschärfung, die über die reine Zahl unbesetzter Sitze hinausgeht.
Hier ist der Teil, der sich direkt mit der bundesweiten Wartezeit-Forschung verbindet. Der Mechanismus, den RWI und die Hamburg-Studie beide benennen, ist keine willkürliche Bevorzugung: Ärztinnen und Ärzte verdienen pro Privatpatient mehr, während gesetzlich Versicherte unter ein Regelleistungsvolumen fallen, eine Quartalsobergrenze, die eine Praxis unabhängig von der Zahl der GKV-Patienten nicht überschreiten kann, während private Abrechnung keine solche Decke kennt. Berlins eigener Hausärztemangel ist inzwischen der konkrete Fall, an dem genau diese Regel infrage gestellt wird: Die bundesweite Debatte um eine vollständige Entbudgetierung der Hausarztvergütung, die Abschaffung dieser Quartalsobergrenze, wird explizit mit Bezirken wie Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf begründet, die unter dem aktuellen System keine ausreichende Hausarztversorgung anziehen können. Sollte sie kommen, würde Berlins eigener Mangel Teil der Begründung gewesen sein, und für die Hausarztversorgung speziell würde derselbe Anreizmechanismus entfallen, den Studien anderswo für den PKV-Terminvorteil verantwortlich machen.
KV Berlin wartet dabei nicht nur auf die Bundesgesetzgebung. Laut Ärzteblatts Januar-2025-Bericht fördert KV Berlin Neuansiedlungen in den betroffenen Bezirken bereits mit Zuschüssen von bis zu 60.000 Euro, eröffnete im Oktober eine eigene KV-Praxis in Treptow-Köpenick und testet ein Telemedizin-Modell mit speziell geschulten Rettungsassistentinnen und -assistenten, die unter ärztlicher Fernaufsicht bis zu 5 Patientenkontakte pro Stunde ermöglichen sollen, gegenüber 2 bei einem klassischen Hausbesuch. Ergänzend splittet das eigene Sicherstellungsstatut der KV Berlin die Stadt in separate Hausarzt-Planungsbezirke, weil die Versorgung zu unterschiedlich ist, um als ein einziges Gebiet gesteuert zu werden, und finanziert Sicherstellungszuschläge sowie einen Punktwertzuschlag über einen gemeinsamen Strukturfonds mit den Krankenkassen, um eine Neuansiedlung in den dünner versorgten Zonen finanziell attraktiv zu machen.
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Was eine effiziente 116117-Vermittlung nicht ändert
Der Evaluationsbericht der KBV zu den bundesweiten Terminservicestellen 2024 zeigt, dass 2024 bundesweit rund 97 Prozent der vermittelten Termine fristgerecht stattfanden. Für Berlin speziell weisen frühere Auswertungen einen der höchsten Anteile an Online-Selbstbuchungen und eine der kürzesten durchschnittlichen Anfahrtswege zu einem vermittelten Termin unter allen KV-Regionen aus, ein Hinweis auf ein dichtes Facharztnetz auch in Bezirken, in denen speziell die Hausarztversorgung knapp ist.
Das ändert allerdings nichts an der eigentlichen PKV/GKV-Frage, und diese Unterscheidung lohnt sich, sauber zu treffen. 116117 vermittelt ausdrücklich nur für gesetzlich Versicherte, das System hat keinen Einfluss darauf, wie eine private Praxis die eigenen Privatpatientinnen und Privatpatienten terminiert. Der Anreiz einer Praxis, eine besser vergütete Privatpatientin vor einer gesetzlich versicherten Überweisung einzuplanen, bleibt unberührt davon, wie effizient die Vermittlung selbst funktioniert. Was Berlins funktionierende 116117-Zahlen tatsächlich bedeuten: die Rückfalloption, die rund vierwöchige Wartegarantie bei einer als dringend markierten Überweisung, funktioniert hier mindestens so gut wie im Rest Deutschlands. Details zu Vermittlungscode, Fristen und Psychotherapie-Zugang deckt unser eigener Ratgeber zu 116117 in Berlin ab, hier wird das nicht wiederholt.
Schritt für Schritt
- Wissen, dass der Kernbefund zur Wartezeit bundesweit gilt, nicht eigens für Berlin gemessen wurdeDie 12-gegen-25-Tage-Zahl des RWI und die Dermatologie/Orthopädie-Aufteilung der Hamburg-Studie sind real, aber keine KV-Berlin- oder Berliner Pressestudie hat diesen Vergleich eigens für die Stadt nachgestellt.
- Als gesetzlich Versicherte bei einer langen Facharztwartezeit trotzdem 116117 nutzenBerlins eigener Vermittlungsdienst funktioniert nach verfügbaren Daten mindestens so gut wie in den meisten anderen deutschen Regionen.
- Bei der Hausarzt- oder Kinderarztsuche gezielt die Bezirkslage prüfenBerlins Mangel konzentriert sich real auf bestimmte Bezirke, mit 118 unbesetzten Arztsitzen allein in Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Köpenick (Januar 2025).
- Die Entbudgetierungs-Debatte im Blick behalten, wenn Ihnen eine stabile Hausarztbeziehung wichtig istBerlins eigener Mangel ist Teil der Begründung für die Abschaffung genau der Quartalsobergrenze, die Forschung für den PKV-Terminvorteil verantwortlich macht.
- Nicht annehmen, dass Berlins effiziente 116117-Zahlen die PKV/GKV-Lücke geschlossen habenDer Vermittlungsdienst deckt nur gesetzlich Versicherte ab und ändert nichts daran, wie private Praxen ihre eigenen Termine vergeben.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Beitrag erklärt die bundesweite Forschung zu Wartezeitunterschieden zwischen gesetzlich und privat Versicherten sowie Berlins eigene, dokumentierte Daten zu Arztversorgung, Förderung und Terminvermittlung, auf Basis von KV Berlin, KBV sowie Berliner und bundesweiter Presseberichterstattung. Er ist keine medizinische oder versicherungsrechtliche Beratung, und Praxis-Terminvergabe, anstehende Gesetzgebung sowie Bezirksdaten können sich ändern. Für Ihre eigene Situation wenden Sie sich an Ihre Hausärztin, Ihren Kinderarzt oder Ihre Versicherung, und prüfen Sie KV Berlins aktuelle Veröffentlichungen zum jeweiligen Planungsstatus.
Häufige Fragen & Stolperfallen
Hat die KV Berlin oder eine Berliner Zeitung den Kassenpatient/Privatpatient-Unterschied tatsächlich eigens für diese Stadt gemessen?
Nach unserer Recherche nicht, und das sollte man direkt so sagen, statt es zu vermuten. Für diese Seite wurden KV Berlins eigene Patienten- und Praxisseiten, ihr Bedarfsplan und Sicherstellungsstatut sowie Presseberichterstattung durchsucht, gezielt nach einer eigenen Berliner Studie mit Testanrufen als Kassen- und Privatpatient oder einer KV-Berlin-Zahl, die Terminvermittlungen nach Versicherungsart aufschlüsselt. Keine wurde gefunden. Die bestdokumentierten Zahlen bleiben die bundesweite RWI-Leibniz-Feldstudie (2017-2018) und eine Studie der Universität Hamburg zu Dermatologie und Orthopädie, beide gelten grundsätzlich auch für Berlin, nur eben nicht als eigens gemessenes Berliner Ergebnis.
Berlins Hausärztemangel konzentriert sich auf bestimmte Bezirke. Macht das den Terminvorteil von Privatpatienten dort schlimmer als anderswo in der Stadt?
Das ist eine plausible Vermutung, aber keine direkt gemessene Tatsache, und diese Unterscheidung sollte man ehrlich benennen. Die bundesweite Forschung erklärt den Anreiz: Privatpatienten zahlen pro Besuch mehr, und für sie gilt keine Quartalsobergrenze. Berlins eigene Daten zeigen unabhängig davon, dass die Hausarztkapazität in Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Köpenick am dünnsten ist. Beide dokumentierten Fakten zusammen ergeben eine begründete Vermutung, dass eine knappere Hausarztversorgung weniger Konkurrenzdruck erzeugt, einen Termin zuerst an eine Kassenpatientin zu vergeben. Aber keine Studie hat tatsächlich getestet, ob die PKV/GKV-Lücke selbst in diesen Bezirken breiter ausfällt als in besser versorgten, das bleibt eine plausible Verbindung zweier realer Befunde, keine dritte dokumentierte Tatsache.
Was unternimmt Berlin tatsächlich gegen den eigenen Hausärztemangel, und berührt das den Mechanismus hinter dem bundesweiten Wartezeit-Unterschied?
Ja, direkter als man erwarten würde. Laut Deutschem Ärzteblatt waren im Januar 2025 in Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Köpenick zusammen 118 Arztsitze unbesetzt, mit der zusätzlichen Prognose, dass in den kommenden Jahren rund ein Drittel der dortigen Hausärztinnen und Hausärzte in den Ruhestand geht. KV Berlin reagiert mit Ansiedlungszuschüssen von bis zu 60.000 Euro, eröffnete im Oktober eine eigene KV-Praxis in Treptow-Köpenick und testet ein Telemedizin-Modell mit speziell geschulten, ärztlich fernbetreuten Rettungsassistenten, die bis zu 5 Patientenkontakte pro Stunde ermöglichen sollen, gegenüber 2 bei einem klassischen Hausbesuch. Berlins eigener Mangel ist außerdem Teil der Begründung für die bundesweite Debatte um die vollständige Entbudgetierung der Hausarztvergütung, also die Abschaffung der Quartalsobergrenze, genau des Mechanismus, den die RWI- und Hamburg-Studien für den Terminvorteil von Privatpatienten verantwortlich machen.
Ändert Berlins gut funktionierende 116117-Vermittlung etwas an der eigentlichen PKV/GKV-Lücke?
Nein, und diese Unterscheidung sollte man klar auseinanderhalten. 116117 vermittelt ausdrücklich nur für gesetzlich Versicherte, das hat keinen Einfluss darauf, wie eine private Praxis ihre eigenen Privatpatienten terminiert. Der Anreiz einer Praxis, eine besser vergütete Privatpatientin vor einer gesetzlich versicherten Überweisung einzuplanen, bleibt davon unberührt, wie effizient der Vermittlungsdienst selbst arbeitet. Eine funktionierende 116117-Vermittlung und ein realer PKV-Terminvorteil können in derselben Stadt gleichzeitig wahr sein.
