116117 in Berlin: Wie die Terminservicestelle wirklich funktioniert, trotz offiziellem Facharzt-Überangebot

116117 ist die bundesweite Rufnummer der Kassenärztlichen Vereinigungen, aber die KV Berlin hat sie schon im Juli 2019 zur Doppelfunktion ausgebaut, sechs Monate vor der bundesweiten Frist aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz. Über eine einzige Nummer laufen seither sowohl der ärztliche Bereitschaftsdienst für akute Fälle als auch die Terminservicestelle (TSS) für die Vermittlung normaler Facharzttermine, rund um die Uhr, telefonisch, über eterminservice.de oder die 116117-App. Für die meisten Fachärzte (Ausnahmen: Hausarzt, Augenarzt, Frauenarzt, Kinderarzt) braucht es eine Überweisung mit einem 12-stelligen Vermittlungscode. Ist die Überweisung als dringend markiert, muss die TSS innerhalb einer Wochenfrist einen Termin anbieten, der wiederum innerhalb von 35 Tagen (rund 4 Wochen) nach Fristablauf stattfinden muss, Bagatellfälle und reine Routineuntersuchungen ausgenommen. Für Hausarzt- und Kinderarzttermine gilt eine schärfere Fünf-Werktage-Regel. Weniger bekannt: Auch der Zugang zu einer psychotherapeutischen Sprechstunde läuft ohne jede Überweisung oder Code über 116117, mit eigener Wochenfrist für das Erstangebot. Berlins eigener Bedarfsplan bewertet die meisten Facharztgruppen offiziell als überversorgt, mit einer Versorgungsquote von über 110 Prozent, einzelne Planungsbereiche lagen im Oktober 2025 sogar bei 167,3 Prozent, während reale Wartezeiten bei Kardiologie oder Dermatologie in der Praxis trotzdem Wochen bis Monate betragen. Genau diese Lücke soll die Terminservicestelle schließen.

Zwei Dienste, eine Nummer, seit 2019 auch in Berlin

Der Name 116117 verdeckt, dass hier zwei rechtlich getrennte Leistungen zusammenlaufen. Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist für medizinische Anliegen da, die wirklich nicht bis zur nächsten regulären Sprechstunde warten können. Die Terminservicestelle (TSS) dagegen vermittelt nicht dringende Termine bei Fachärzten und Psychotherapeutinnen für gesetzlich Versicherte. Bundesweit verpflichtet das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) jede Kassenärztliche Vereinigung, beide Aufgaben spätestens ab Januar 2020 unter dieser einen Nummer anzubieten.

Berlin war früher dran. Laut einem Bericht des Deutschen Ärzteblatts legte die KV Berlin ihre bis dahin getrennten Nummern für Bereitschaftsdienst und Terminservicestelle schon im Juli 2019 zusammen, sechs Monate vor der bundesweiten Frist. Seither gilt in Berlin ein einziger Zugang, ob es um ein fieberndes Kind heute Abend oder einen Dermatologietermin im nächsten Monat geht.

116117 in Berlin: Was gilt für welche Situation
SituationWas Sie brauchenZeitrahmen
Akuter Fall (Bereitschaftsdienst)Nur anrufen, keine ÜberweisungErsteinschätzung im Gespräch, rund um die Uhr
Hausarzt, Augenarzt, Frauenarzt, KinderarztKeine Überweisung nötigZiel: 5 Werktage
Anderer FacharztÜberweisung mit 12-stelligem Vermittlungscode, dringend markiertAngebot binnen 1 Woche, Termin binnen 35 Tagen danach
Psychotherapeutische SprechstundeKeine Überweisung nötigAngebot binnen 1 Woche, Termin binnen 4 Wochen
Probatorik nach der SprechstundeFormular PTV 11 mit DringlichkeitscodeVon der Therapeutin bzw. dem Therapeuten ausgelöst

Für die meisten Fachärzte läuft alles über den Vermittlungscode auf der Überweisung. Laut KV Berlins eigener Beschreibung für Praxen trägt die Überweisung einen 12-stelligen Code, den Sie telefonisch, über eterminservice.de oder per App an 116117 weitergeben. Bei einer als dringend markierten Überweisung muss innerhalb einer Woche ein Terminangebot vorliegen, das seinerseits innerhalb von 35 Tagen nach Ablauf dieser Wochenfrist stattfinden muss, was in der Praxis meist mit “ungefähr vier Wochen ab dem ersten Anruf” zusammengefasst wird. Eine freie Arztwahl gibt es dabei nicht, vermittelt wird innerhalb eines zumutbaren Anfahrtswegs, und Bagatellfälle sowie reine Routineuntersuchungen zählen laut Verbraucherzentrale ausdrücklich nicht zu diesem Anspruch.

Ein ruhiger, leerer Empfangstresen einer deutschen Arztpraxis mit einem schnurgebundenen Telefonhörer, einem leeren Überweisungsschein und einem schlichten Tischkalender auf Holz, im Hintergrund unscharfe, aufgeräumte Wartestühle in warmem Tageslicht, keine Personen oder lesbaren Texte sichtbar

Vier Fachgruppen brauchen dagegen gar keine Überweisung: Hausarzt, Augenarzt, Frauenarzt und Kinderarzt. Für Hausarzt- und Kinderarzttermine gilt sogar eine strengere Frist von fünf Werktagen statt der allgemeinen vier Wochen. Wie sich das konkret in Berlin anfühlt, inklusive der Bezirke mit spürbarem Kapazitätsmangel, deckt unser eigener Ratgeber zur Suche nach einem Kinderarzt oder Hausarzt in Berlin ausführlich ab.

Der Teil, den kaum jemand kennt: Psychotherapie

116117 vermittelt auch den Einstieg in die Psychotherapie, ganz ohne Überweisung. Laut 116117.de ist der erste, verpflichtende Schritt die psychotherapeutische Sprechstunde, ein Erstgespräch, das klärt, welche Behandlungsform überhaupt zur Situation passt. Bei einem Anruf muss innerhalb einer Woche ein Termin angeboten werden, der Termin selbst muss binnen vier Wochen stattfinden. Wichtig ist der nächste Schritt: Für die anschließende Probatorik, die eigentlichen Probesitzungen vor Beginn einer Therapie, verlangt die Verbraucherzentrale ausdrücklich das Formular PTV 11 mit einem eigenen Dringlichkeitscode, kein Automatismus, sondern ein separater Schritt, den die behandelnde Person auslöst. Läuft die Anschlussbehandlung akut nach einem Krankenhausaufenthalt, entfällt dieses Formular. Angesichts der spürbaren Nachfrage nach psychologischer Unterstützung gerade bei Menschen, die gleichzeitig eine neue Stadt, eine neue Sprache und deutsche Bürokratie bewältigen, ist das einer der nützlichsten, aber am wenigsten bekannten Teile des ganzen Systems.

Berlins Überangebots-Paradox

Hier wird Berlins eigene Statistik seltsam. Der Bedarfsplan für Berlin, das amtliche Planungsinstrument, das festlegt, wie viele Praxen je Fachgruppe zugelassen werden dürfen, weist für fast alle Facharztgruppen einen Versorgungsgrad von deutlich über 110 Prozent aus. Das löst formal Zulassungssperren aus, weil die Stadt auf dem Papier bereits überversorgt ist, ein Planungsbereich erreichte im Oktober 2025 sogar 167,3 Prozent. Nach dem reinen Zahlenwerk gäbe es in Berlin also längst genug Kardiologinnen, Dermatologen und vergleichbare Fachrichtungen.

Die reale Wartezeit erzählt eine andere Geschichte. Kardiologie-, Dermatologie- und Radiologietermine dauern in der Praxis häufig Wochen bis Monate, eine Lücke zwischen formaler Kapazität und gelebtem Zugang, die bundesweit gut dokumentiert ist und genau der Grund, warum die 4-Wochen-Vermittlung über 116117 als Ausgleichsrecht existiert. Berlins eigener Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen erkennt die Diskrepanz de facto an: Seit Juli 2023 wurden trotz der formalen Überangebotszahlen 16,5 gynäkologische Stellen, 1,0 dermatologische Stelle und 19,5 Stellen für psychosomatische Medizin neu ausgeschrieben. Für alle, die neu nach Berlin ziehen, folgt daraus ein praktischer Rat: Eine “überversorgt”-Statistik sollte niemanden davon abhalten, das Vermittlungsrecht über 116117 zu nutzen, sobald eine Überweisung allein nicht schnell genug zu einem Termin führt.

Was beim Anruf tatsächlich passiert

Die Wartezeit am Telefon schwankt spürbar. Der Tagesspiegel Checkpoint berichtete für 2023 über eine durchschnittliche Telefonwartezeit von rund neun Minuten, eine Verbesserung gegenüber den Vorjahren, während die separat erfasste Wartezeit auf einen Hausbesuch im selben Jahr im Schnitt 2,5 Stunden betrug, gegenüber 2 Stunden 36 Minuten im Jahr 2022. In Ausnahmesituationen, etwa bei einer schweren Grippewelle, kann die telefonische Wartezeit spürbar länger ausfallen als der langjährige Durchschnitt vermuten lässt.

Wer keinen akuten Fall hat, kann die Warteschleife meist ganz umgehen. Sowohl eterminservice.de als auch die 116117-App erlauben die direkte Online-Buchung für alle sevkfreien Fachgruppen und für Praxen, die sich für die Online-Terminvergabe registriert haben, ganz ohne Telefonwarteschleife.

Schritt für Schritt

  1. Prüfen Sie, ob Ihr Anliegen überhaupt eine Überweisung brauchtHausarzt, Augenarzt, Frauenarzt, Kinderarzt und die erste psychotherapeutische Sprechstunde sind überweisungsfrei.
  2. Für jeden anderen Facharzt: Überweisung mit markierter Dringlichkeit besorgenNur eine als dringend markierte Überweisung öffnet die Wochenfrist plus die 35-Tage-Regel.
  3. Den 12-stelligen Vermittlungscode auf der Überweisung notieren und zügig nutzenOb per Telefon, eterminservice.de oder App, der Code steuert die Vermittlung.
  4. 116117 anrufen, oder bei nicht dringenden Fällen direkt online buchenDie Nummer ist in Berlin rund um die Uhr erreichbar, eterminservice.de und die App sparen oft die Warteschleife.
  5. Für Psychotherapie direkt anrufen, ohne ÜberweisungAnspruch auf ein Sprechstunden-Angebot binnen einer Woche und einen Termin binnen vier Wochen; für die anschließende Probatorik das Formular PTV 11 einplanen.
  6. Bei angeblich "überversorgten" Fachrichtungen trotzdem 116117 nutzenDer amtliche Bedarfsplan und die reale Wartezeit in Berlin decken sich oft nicht, wofür das Vermittlungsrecht genau gedacht ist.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag beschreibt die allgemeine Funktionsweise der bundesweiten Terminservicestelle 116117, wie sie die KV Berlin umsetzt, auf Basis offizieller Angaben der KV Berlin, der Verbraucherzentrale und von 116117.de sowie Berliner Presseberichterstattung zu Wartezeiten. Er ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung. Einzelheiten zu Überweisungsregeln, Fristen und aktuellen Wartezeiten können sich ändern, bestätigen Sie Details für Ihre eigene Situation direkt bei Ihrer Ärztin, Ihrer Krankenkasse oder der Terminservicestelle.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Ist 116117 in Berlin dasselbe wie in jeder anderen deutschen Stadt?

Im Grundsatz ja, es ist die bundesweit einheitliche, kostenfreie Rufnummer für zwei rechtlich getrennte Leistungen: den ärztlichen Bereitschaftsdienst für Fälle, die nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können, und die Terminservicestelle (TSS) für die Vermittlung nicht dringender Facharzt- und Psychotherapietermine bei gesetzlich Versicherten. Berlin hat aber eine tatsächlich frühere eigene Geschichte damit. Laut Deutschem Ärzteblatt legte die KV Berlin ihre bis dahin getrennten Nummern für Bereitschaftsdienst und Terminservicestelle bereits im Juli 2019 unter 116117 zusammen, ausdrücklich sechs Monate vor der Frist, die das bundesweite Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) für Januar 2020 vorschrieb. Die Berliner Landesnummer ist seither rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei für jede gesetzlich versicherte Person mit Wohnsitz in Berlin.

Wie funktioniert der Vermittlungscode genau?

Wer über die vier sevkfreien Fachgruppen hinaus einen Facharzttermin braucht, bekommt von der Hausärztin oder einer anderen behandelnden Praxis eine Überweisung, und auf diese Überweisung wird ein 12-stelliger Vermittlungscode aufgedruckt. Diesen Code geben Sie an 116117 weiter, telefonisch, über eterminservice.de oder die App. Ist die Überweisung als dringend markiert, muss die Terminservicestelle laut eigener KV-Berlin-Regelung innerhalb einer Woche einen Termin anbieten, der dann innerhalb von 35 Tagen nach Ablauf dieser Wochenfrist stattfinden muss, in der Praxisrealität wird das häufig als knapp vier Wochen ab dem ersten Kontakt zusammengefasst. Sie können sich dabei weder die Praxis noch den Wunschtermin aussuchen, vermittelt wird innerhalb eines zumutbaren Anfahrtswegs, und Bagatellerkrankungen sowie reine Routineuntersuchungen sind von der Frist ausdrücklich ausgenommen.

Welche Facharzttermine bekomme ich ganz ohne Überweisung?

Vier Gruppen sind bundesweit und damit auch in Berlin von der Überweisungspflicht befreit: Hausarzt beziehungsweise Allgemeinmedizin, Augenarzt, Frauenarzt und Kinderarzt. Für diese vier können Sie 116117 direkt anrufen oder online buchen, ganz ohne Vermittlungscode. Hausarzt- und Kinderarzttermine haben laut Verbraucherzentrale sogar eine eigene, strengere Frist von fünf Werktagen statt der allgemeinen vier Wochen. Wie sich das in Berlin konkret anfühlt, inklusive der Stadtteile mit spürbarem Kapazitätsmangel, behandelt unser eigener Ratgeber zur Suche nach einem Kinderarzt oder Hausarzt in Berlin ausführlicher, das wird hier nicht wiederholt.

Hilft mir 116117 auch bei einem Therapieplatz, und wie schnell?

Ja, und das ist der Teil, den viele Neuankömmlinge nicht kennen. Für die psychotherapeutische Sprechstunde, das verpflichtende Erstgespräch, das klärt, welche Behandlung überhaupt passt, braucht es keine Überweisung. 116117 muss laut eigener Darstellung ein solches Erstgespräch innerhalb einer Woche anbieten, das dann binnen vier Wochen stattfindet. Wichtig für den nächsten Schritt: Für die anschließende Probatorik, also die Probesitzungen vor einer eigentlichen Therapie, verlangt die Verbraucherzentrale ausdrücklich das Formular PTV 11 mit einem Dringlichkeitscode, das ist kein automatischer Selbstläufer nach der Sprechstunde, sondern ein eigener bürokratischer Schritt, den die Therapeutin oder der Therapeut auslöst. Nach einem stationären Aufenthalt kann eine akute Anschlussbehandlung dagegen ohne dieses Formular vermittelt werden.

Berlins Bedarfsplan zeigt Überangebot bei Fachärzten. Warum musste ich trotzdem monatelang auf einen Kardiologietermin warten?

Weil der amtliche Bedarfsplan und die gefühlte Wartezeit in der Praxis zwei unterschiedliche Dinge messen, ein in Berlin gut dokumentiertes Missverhältnis. Der Bedarfsplan für Berlin, der amtlich festlegt, wie viele Praxen je Fachgruppe zugelassen werden dürfen, weist für fast alle Facharztgruppen einen Versorgungsgrad von deutlich über 110 Prozent aus, was formal Zulassungssperren auslöst, weil die Stadt auf dem Papier bereits überversorgt ist. Ein Planungsbereich erreichte im Oktober 2025 sogar 167,3 Prozent. Trotzdem dauert es in der Praxis für Kardiologie, Dermatologie oder Radiologie oft Wochen bis Monate bis zu einem Termin, genau die Lücke, für die die 4-Wochen-Vermittlung über 116117 als Ausgleichsrecht existiert. Berlins eigener Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen erkennt das Missverhältnis stillschweigend an: Seit Juli 2023 wurden trotz formalem Überangebot 16,5 gynäkologische, 1,0 dermatologische und 19,5 Stellen für psychosomatische Medizin neu ausgeschrieben.

Muss ich beim Anruf mit langen Wartezeiten in der Warteschleife rechnen?

Das schwankt deutlich. Der Tagesspiegel Checkpoint berichtete für 2023 über eine durchschnittliche Telefonwartezeit von rund neun Minuten, eine Verbesserung gegenüber Vorjahren, während separat erfasste Hausbesuchswartezeiten im selben Jahr im Schnitt 2,5 Stunden betrugen, gegenüber 2 Stunden 36 Minuten im Jahr 2022. Unter echtem Druck, etwa während einer schweren Grippewelle, kann es deutlich länger dauern, das haben frühere Berliner Pressemeldungen für Ausnahmesituationen dokumentiert. Wer keinen akuten Fall hat, kann die Warteschleife meist komplett umgehen: eterminservice.de und die 116117-App erlauben die direkte Online-Buchung für alle sevkfreien Fachgruppen und für Praxen, die sich für Online-Terminvergabe angemeldet haben.