Warum München keine offiziellen Pfandringe hat, und was Flaschensammlern tatsächlich hilft
Wer seine leere Pfandflasche lieber jemandem überlässt, der vom Sammeln lebt, statt sie mit dem restlichen Müll wegzuwerfen, stößt in München auf zwei informelle Praktiken, die es zu kennen lohnt. Die erste ist der Pfandring: eine außen an einem öffentlichen Mülleimer befestigte Metallhalterung, in der Flaschen sichtbar obenauf stehen statt im Müll zu verschwinden, sodass Sammler nicht mehr hineingreifen müssen. Erfunden hat ihn der Kölner Produktdesigner Paul Ketz 2012, bis Oktober 2021 hatten laut Wikipedia bereits rund 110 deutsche Kommunen den Pfandring als offizielles Programm eingeführt. München zählt trotz eines eigenen Anlaufs nicht dazu: Der Stadtrat prüfte die Idee bereits 2014 nach einem Antrag der Fraktion Die Grünen-rosa liste, das städtische Baureferat äußerte damals technische Bedenken, und erst 2020 startete die Stadt einen begrenzten Testlauf im Stadtbezirk Pasing-Obermenzing, ohne dass daraus ein flächendeckendes Programm wurde. Die bekannten Standorte, etwa an der Bavaria auf der Theresienwiese, am Hauptbahnhof oder entlang der Isar, gehen stattdessen auf ehrenamtliche Initiativen wie Viva con Agua zurück, und laut einem Bericht der Münchner Abendzeitung kümmert sich langfristig weder die Stadt noch kümmern sich die freiwilligen Aufsteller selbst um die Kisten, weshalb viele mit der Zeit einfach verschwinden. Die zweite, deutlich robustere Praxis heißt „Pfand gehört daneben”: eine von Matthias Gomille gestartete Aufkleberkampagne, die inzwischen auch in München verbreitet ist und ganz ohne Halterung auskommt, stellen Sie Ihre leere Flasche einfach neben oder auf den Mülleimer statt hinein. Wer größere Mengen loswerden möchte, kann außerdem die App Pfandgeben nutzen, betrieben von der Organisation Sozialhelden e.V., die Spender direkt mit einem Sammler in der Nähe zusammenbringt.
Die offizielle Regel
Eine leere Pfandflasche einfach in den nächsten Mülleimer zu werfen, ist der Normalfall, muss aber nicht sein. In vielen deutschen Städten gibt es dafür längst eine kleine, unauffällige Lösung, in München ist die Sache allerdings komplizierter als anderswo.
Der Pfandring ist eine Metallhalterung, die außen an einem öffentlichen Mülleimer befestigt wird, damit Flaschen sichtbar obenauf stehen, statt im Müll zu verschwinden. Erfunden hat ihn 2012 der Kölner Produktdesigner Paul Ketz, ursprünglich als Wettbewerbsbeitrag für die Kölner Abfallwirtschaftsbetriebe, wofür er später sogar mit dem Bundespreis Ecodesign in der Kategorie Newcomer ausgezeichnet wurde. Nach Angaben der deutschen Wikipedia hatten bis Oktober 2021 bereits rund 110 deutsche Kommunen den Pfandring als offizielles städtisches Programm eingeführt. München gehört, anders als man angesichts der eigenen Geschichte mit dem Thema vermuten könnte, nicht dazu. Bereits im Dezember 2014 beantragte die Fraktion Die Grünen-rosa liste im Stadtrat, das Prinzip nach dem Vorbild von Städten wie Stuttgart, Bamberg, Köln, Karlsruhe, Bielefeld und Magdeburg zu testen, das städtische Baureferat reagierte damals aber zurückhaltend und verwies auf technische Probleme bei der Befestigung an den vorhandenen Mülleimern. Laut Wikipedia entschied sich die Stadt letztlich erst im Februar 2020 für einen Testlauf, und zwar begrenzt auf den Stadtbezirk Pasing-Obermenzing. Ein flächendeckendes Programm für ganz München wurde daraus bislang nicht.
Die Standorte, die den meisten Münchnern tatsächlich bekannt sind, etwa an der Bavaria-Statue auf der Theresienwiese, am Hauptbahnhof oder entlang der Isar, stammen ohnehin aus einer ganz anderen Ecke: von ehrenamtlichen Initiativen, allen voran der Organisation Viva con Agua. Ein Bericht der Münchner Abendzeitung hält dazu unmissverständlich fest, dass sich langfristig um diese Kisten niemand kümmert, weder die Freiwilligen, die sie aufhängen, noch die Stadt selbst, weshalb ein Teil davon im Lauf der Zeit einfach abgerissen wird oder verschwindet. Spätere Berichte nennen ähnliche Standorte immer wieder, eine grundlegende Änderung an diesem Muster ist bislang nicht dokumentiert.
| Option | Wie es in München tatsächlich läuft |
|---|---|
| Pfandring / Pfandkiste | Überwiegend ehrenamtlich installiert, kein flächendeckendes städtisches Programm, Standorte können verschwinden |
| „Pfand gehört daneben” | Braucht keine Halterung, Flasche einfach neben oder auf den Mülleimer stellen |
| App Pfandgeben | Am besten für größere Mengen, vermittelt eine direkte Abholung durch einen Sammler in der Nähe |
Die deutlich robustere, weil von keiner Installation abhängige Praxis heißt „Pfand gehört daneben”. Die Aktion geht auf Matthias Gomille zurück, der eigene Aufkleber entwarf, nachdem er miterlebt hatte, wie jemand achtlos eine leere Pfandflasche in einen Mülleimer warf und ein Sammler wenig später mühsam versuchte, sie wieder herauszufischen. Die Botschaft dahinter ist bewusst simpel und braucht kein Werkzeug: die leere Flasche neben oder oben auf den Mülleimer stellen, statt sie hineinzuwerfen, damit ein Sammler sie sehen und mitnehmen kann, ohne im Rest des Mülls wühlen zu müssen. Von einer ersten Stadt ausgehend hat sich die Idee inzwischen über viele deutsche Städte verbreitet, München eingeschlossen.

Was echte Leute sagen
Wie groß das Problem hinter alldem tatsächlich ist, lässt sich schwerer beziffern, als es zunächst scheint. Ein Bürgerhaushalt-Vorschlag für München, veröffentlicht auf der städtischen Plattform unser.muenchen.de, nennt eine Summe von rund 180 Millionen Euro Pfandwert, der jährlich im Müll lande, ohne dafür allerdings eine Quelle anzugeben. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass praktisch dieselbe Zahl auch beim NABU auftaucht, dort jedoch als bundesweite Schätzung des sogenannten Pfandschlupfs für das Jahr 2015: Von rund 18 Milliarden verkauften Einwegflaschen und -dosen wurden demnach etwa 720 Millionen, also vier Prozent, nie zurückgegeben, das Pfand blieb bei Herstellern und Handel hängen. Das ist ein verwandtes, aber eigentlich anderes Phänomen als die Flasche, die ein Sammler aus einem Mülleimer holt, denn hier geht es um Gebinde, die überhaupt nie an einem Automaten landen. Ob der Münchner Vorschlag diese bundesweite Zahl versehentlich auf die eigene Stadt übertragen hat oder tatsächlich eine eigene Schätzung meint, bleibt im Text offen. Für die schiere Größenordnung des Themas taugt die Zahl trotzdem, als geprüfte Münchner Kennziffer sollte man sie aber nicht zitieren.
Ein anderes Bild liefert die menschliche Seite des Sammelns. Die ZDF-Reportage „Die Pfandjäger, Warum Menschen Flaschen sammeln” begleitet über mehrere Monate drei Sammler in verschiedenen deutschen Städten und zeigt, dass es selten nur ums Geld geht, sondern häufig auch um Tagesstruktur, Bewegung und soziale Kontakte, die das Sammeln mit sich bringt. Genau diese Beobachtung erklärt, warum eine so kleine Geste wie das Abstellen einer Flasche neben dem Mülleimer für die Betroffenen einen spürbaren Unterschied macht: Es spart ihnen nicht nur den Griff in den Müll, sondern lässt sie mit etwas mehr Würde arbeiten.
Da München keinen offiziellen Pfandring-Betrieb unterhält, wie es rund 110 andere deutsche Kommunen tun, ist „Pfand gehört daneben” hier die praktisch verlässlichere Gewohnheit: Sie funktioniert unabhängig davon, ob an einem bestimmten Mülleimer gerade zufällig ein Ring hängt, und hängt nicht an einer ehrenamtlichen Installation, die beim nächsten Mal vielleicht schon wieder weg ist.
Schritt für Schritt
- Verlassen Sie sich nicht darauf, an Ihrem Mülleimer einen offiziellen Pfandring vorzufinden. München hat kein städtisches Programm, vorhandene Installationen sind ehrenamtlich und können jederzeit verschwinden.
- Machen Sie „Pfand gehört daneben” zur Standardgewohnheit: die leere Flasche neben oder oben auf den Mülleimer stellen statt hineinwerfen, das funktioniert an jedem Mülleimer, mit oder ohne Ring.
- Sehen Sie tatsächlich einen Pfandring oder eine Pfandkiste, etwa an der Theresienwiese, am Hauptbahnhof oder an der Isar, nutzen Sie ihn ruhig, verlassen Sie sich aber nicht darauf, dass er beim nächsten Mal noch da ist.
- Bei einer größeren Menge Flaschen lohnt sich die App Pfandgeben, um direkt einen Abholtermin mit einem Sammler in der Nähe zu vereinbaren, statt die Flaschen einfach draußen abzustellen.
- Lassen Sie Flaschen möglichst sauber und unbeschädigt zurück, das macht es für einen Sammler einfacher und würdevoller, sie mitzunehmen und einzulösen.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Beitrag beschreibt informelle, ehrenamtlich getragene Praktiken rund um die Pfandflaschen-Spende in München, Stand Mitte 2026, kein offizielles städtisches Programm und keine rechtliche Verpflichtung. Die Verfügbarkeit einzelner Pfandring- oder Pfandkisten-Standorte kann sich ohne Vorankündigung ändern.
Häufige Fragen & Stolperfallen
Gibt es ein offizielles Münchner Programm für Flaschenhalterungen an öffentlichen Mülleimern?
Nicht flächendeckend. Im Dezember 2014 beantragte die Fraktion Die Grünen-rosa liste im Stadtrat, den Pfandring nach dem Vorbild von Stuttgart, Bamberg, Köln, Karlsruhe, Bielefeld und Magdeburg auch in München zu testen, das städtische Baureferat äußerte damals jedoch technische Bedenken, etwa zur Befestigung an den vorhandenen Mülleimern. Erst im Februar 2020 entschied sich die Stadt für einen begrenzten Testlauf im Stadtbezirk Pasing-Obermenzing, ein flächendeckendes Programm wie in den rund 110 anderen deutschen Kommunen mit offiziellem Pfandring wurde daraus aber nie. Die bekannteren Standorte an der Bavaria auf der Theresienwiese, am Hauptbahnhof und entlang der Isar sind stattdessen ehrenamtliche Installationen, vor allem der Organisation Viva con Agua, um die sich laut Berichterstattung langfristig weder die Aufsteller noch die Stadt kümmern, weshalb ein Teil davon im Lauf der Zeit wieder verschwindet.
Was ist das Einfachste, was ich tun kann, damit meine Flasche wirklich bei einem Sammler landet?
Stellen Sie die leere Flasche neben oder oben auf einen öffentlichen Mülleimer, statt sie hineinzuwerfen. Genau darum geht es bei „Pfand gehört daneben”, einer Aufkleberkampagne, die Matthias Gomille ins Leben rief, nachdem er beobachtet hatte, wie jemand achtlos eine Pfandflasche in einen Mülleimer warf und Sekunden später ein Sammler mühsam versuchte, sie wieder herauszufischen. Die Botschaft hat sich seither über viele deutsche Städte verbreitet, München eingeschlossen, und funktioniert an jedem Mülleimer, egal ob dort zufällig ein Pfandring hängt oder nicht.
Gibt es eine Möglichkeit, größere Mengen Flaschen direkt an einen Sammler zu übergeben, statt sie draußen liegen zu lassen?
Ja, die App Pfandgeben, betrieben von der Organisation Sozialhelden e.V., bringt Menschen mit abzugebenden Pfandflaschen direkt mit Sammlerinnen und Sammlern in der eigenen Umgebung zusammen. Ein Angebot lässt sich in unter einer Minute einstellen und wird nach Angaben des Anbieters im Schnitt innerhalb von rund 17 Minuten von jemandem angenommen, für Sammler ohne Smartphone gibt es zusätzlich eine kostenlose SMS-Benachrichtigung. Bei größeren Veranstaltungen ergänzt das Team das Prinzip zudem um sogenannte Pfandinseln, feste Sammelstellen mit Kisten in Parks oder an Festivals.
Um wie viel Pfandgeld geht es hier eigentlich tatsächlich?
Ein Bürgerhaushalt-Vorschlag für München auf der städtischen Plattform unser.muenchen.de nennt eine Größenordnung von rund 180 Millionen Euro Pfandwert, der jährlich weggeworfen werde, allerdings ohne Quellenangabe im Text selbst. Eine nahezu identische Zahl, ebenfalls rund 180 Millionen Euro, taucht beim NABU auf, dort allerdings als bundesweite Schätzung des sogenannten Pfandschlupfs für das Jahr 2015, also Einwegpfand, das gar nicht erst zurückgebracht und stattdessen von Herstellern und Handel einbehalten wird, eine verwandte, aber nicht identische Rechnung. Ob der Münchner Vorschlag diese bundesweite Zahl schlicht auf die eigene Stadt übertragen hat oder eine eigene Schätzung meint, lässt sich aus dem Text nicht klären. Als Beleg für die grundsätzliche Größenordnung des Problems taugt die Zahl trotzdem, als geprüfte Münchner Statistik sollte man sie aber nicht behandeln.