Münchens Schulstraßen: Was passiert, wenn Ihre Straße vor der Schule für Autos gesperrt wird

Liegt die Schule Ihres Kindes an oder in der Nähe einer Schulstraße, wird die Straße selbst für ein wirklich kurzes, aber striktes Zeitfenster für den normalen Autoverkehr gesperrt: werktags von 7.30 bis 8.00 Uhr, ganzjährig, auch in den Ferien. Ziel ist, das morgendliche Elterntaxi-Chaos, also Eltern, die direkt bis vors Schultor fahren, von der Stelle fernzuhalten, an der Kinder tatsächlich zu Fuß unterwegs sind. München betreibt aktuell zwei solcher Straßen, beide dauerhaft angelegt und nicht als Testlauf: rund um die Grundschule an der Forellenstraße in Trudering-Riem, die erste, seit Ende Februar 2026, und rund um die Grundschule an der Lehrer-Wirth-Straße, die zweite, seit 15. Juni 2026. Rettungsdienste, Müllabfuhr und Anwohner oder Gewerbetreibende mit einer kostenpflichtigen Ausnahmegenehmigung dürfen weiterhin einfahren, und für ein wirklich kurzes Absetzen gibt es in Straßennähe jeweils eine eigens ausgewiesene Bring- und Holzone. Bis vor die Schultür selbst darf man einfach nicht mehr fahren. Wer trotzdem durchfährt, riskiert ein echtes Bußgeld von 50 Euro, dazu kommen 20 bis 50 Euro weitere, wenn zusätzlich im angrenzenden Halteverbot gehalten wird, und diese Rechtsgrundlage (§ 45 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 StVO) existiert, weil deutsche Umfragen immer wieder zeigen, dass die meisten Eltern selbst finden, andere Eltern würden ihre Kinder deutlich zu oft mit dem Auto zur Schule bringen.

Die offizielle Regel

Eine Schulstraße ist genau das, wonach sie klingt: eine Straße oder ein Straßenabschnitt unmittelbar rund um eine Schule, der für ein kurzes, festes Zeitfenster kurz vor Unterrichtsbeginn für den normalen Fahrzeugverkehr gesperrt wird. In München konkret läuft dieses Fenster werktags, Montag bis Freitag, von 7.30 bis 8.00 Uhr, und zwar ganzjährig, auch in den Ferien, bewusst so, damit das Muster verlässlich bleibt, statt Autofahrer zu verwirren, die es nur in manchen Wochen antreffen. Die eigene Rechtsgrundlage der Stadt liegt in § 45 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 StVO, der Klausel zu Maßnahmen der Verkehrssicherheit und des Umweltschutzes, und die offen genannte Begründung ist, dass das Ausmaß an Elterntaxis, also Eltern, die direkt bis vors Schultor fahren, besonders zur morgendlichen Hauptverkehrszeit, genau dort wirklich unklare und gefährliche Verhältnisse schafft, wo Kinder zu Fuß unterwegs sind.

München betreibt aktuell zwei Schulstraßen, beide auf Dauer angelegt, nicht als Experiment. Die erste umgibt die Grundschule an der Forellenstraße im Stadtbezirk Trudering-Riem, sie betrifft die Brachsenstraße und den nördlichen Abschnitt der Forellenstraße bis zur Kreuzung mit dem Böcklerweg, in Betrieb seit Ende Februar 2026. Die zweite umgibt die Grundschule an der Lehrer-Wirth-Straße, sie betrifft die Lehrer-Wirth-Straße selbst, südlich der Erika-Cremer-Straße, sowie die Caroline-Herschel-Straße und die Elisabeth-Dane-Straße, in Betrieb seit dem 15. Juni 2026. Der Stadtrat billigte das zugrundeliegende Programm im März 2025, und das Mobilitätsreferat wertet diese beiden Standorte aus, um zu entscheiden, wo eine Ausweitung noch sinnvoll sein könnte. Eine konkrete Liste künftiger Schulen wurde bislang nicht veröffentlicht, und auch mehr als ein Jahr nach der Stadtratszustimmung ist es bei diesen zwei Standorten geblieben, eine dritte Schulstraße gibt es nach aktuellem Stand nicht.

Grundschule an der Forellenstraße, Forellenstraße 5, 81825 München, Trudering-Riem. Münchens erste Schulstraße, sie beschränkt die Brachsenstraße und den nördlichen Abschnitt der Forellenstraße bis zum Böcklerweg, werktags 7.30 bis 8.00 Uhr.

Nicht jeder verliert den Zugang, und für ein echtes Absetzen gibt es eine echte Alternative. Rettungs- und Notarztfahrzeuge dürfen jederzeit uneingeschränkt einfahren, und auch Müllabfuhr und Straßenreinigung behalten ihren gewohnten Zugang. Anwohner in der gesperrten Zone, ebenso wie Menschen, die dort arbeiten oder ein Geschäft betreiben, können eine gegen eine kleine Gebühr drei Jahre gültige Ausnahmegenehmigung beantragen, die den weiteren Zugang sichert. Krankentransporte und Pflegekräfte, die einen pflegebedürftigen Anwohner besuchen, sind ebenfalls abgedeckt, ohne vorherigen Antrag. Für alle anderen, die ihr Kind tatsächlich mit dem Auto absetzen müssen, gibt es bei jeder Schulstraße knapp außerhalb der gesperrten Zone eine eigens ausgewiesene Bring- und Holzone: an der Damaschkestraße für die Schule an der Forellenstraße, und an der Erika-Cremer- sowie der Maria-Montessori-Straße für die Schule an der Lehrer-Wirth-Straße, wo laut Lokalpresse zum Ein- und Aussteigen der Kinder ein Zeitfenster von 7 bis 9 Uhr gilt. Ein kurzes Absetzen ist dort in Ordnung, ein verlängertes Parken bei der Suche nach einem Platz nicht.

Eine Wohnstraße mit einer Absperrung wegen Straßensperrung und einem Zebrastreifen in der Nähe eines Schuleingangs

Wer trotzdem durchfährt, begeht einen echten, bepreisten Verstoß, keinen theoretischen. Für das Befahren einer mit Zeichen 250 oder 260 gesperrten Straße mit dem Auto liegt das übliche Bußgeld nach dem allgemeinen deutschen Bußgeldkatalog bei 50 Euro, und wer zusätzlich im angrenzenden absoluten Halteverbot hält, riskiert je nach Dauer und danach, ob dadurch andere behindert werden, weitere 20 bis 50 Euro obendrauf. Die Polizei arbeitet bei der Durchsetzung mit der Stadt zusammen, und München stellt physische Absperrungen auf, zunächst provisorische Zäune, um die Sperrung wirklich deutlich zu machen statt sich allein auf Beschilderung zu verlassen.

Was Eltern berichten

Der Schub hinter den Schulstraßen ist keine Annahme von oben ohne Belege, dass Eltern etwas falsch machen würden, Umfragedaten stützen das direkt, und zwar von Eltern selbst. Eine Forsa-Umfrage von 2024 im Auftrag des TÜV-Verbands fand, dass 92 Prozent der deutschen Bevölkerung, und 94 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder speziell, finden, Kinder würden zu oft zur Schule gefahren, eine bemerkenswert selbstkritische Übereinstimmung. Interessant dabei: Nach der tatsächlichen Verkehrsmittelwahl gefragt, gaben in derselben Umfrage nur 13 Prozent an, ihr Kind werde mit dem Auto gebracht, während 45 Prozent auf Bus oder Bahn setzen, 38 Prozent zu Fuß gehen und 30 Prozent mit dem Rad fahren, und 89 Prozent sagen grundsätzlich, Kinder sollten ihren Schulweg möglichst früh selbstständig bewältigen können. Wahrnehmung und eigenes Verhalten klaffen also spürbar auseinander.

Eine Umfrage der ADAC Stiftung fand, dass 25 Prozent der Grundschulkinder, also im Schnitt jedes vierte, an mehr als der Hälfte aller Schultage mit dem Auto gebracht werden. 62 Prozent der befragten Eltern finden, es gebe direkt vor dem Schulgebäude vor und nach dem Unterricht schlicht zu viele Autos, 56 Prozent sagen, Elterntaxis würden dadurch echte gefährliche Verkehrssituationen schaffen, und 55 Prozent wünschen sich räumlich abgetrennte Bring- und Holzonen genau aus diesem Grund. Die Lücke zwischen Einstellung und Verhalten läuft über konkrete Zwänge des Alltags: Eltern nennen Anschlusstermine des Kindes (39 Prozent), schlechtes Wetter (38 Prozent), die Schule liegt auf dem eigenen Arbeitsweg (30 Prozent), Zeitersparnis (23 Prozent) und schlicht Bequemlichkeit (18 Prozent) als Gründe fürs weitere Fahren, während nur 11 Prozent Verkehrssicherheit als Grund angeben. Das spricht eher für tägliche Logistik als für ein echtes Urteil, zu Fuß gehen oder Radfahren sei nicht sicher genug.

Schritt für Schritt

  1. Prüfen, ob die Schule des Kindes eine der beiden aktuellen Münchner Schulstraßen istForellenstraße in Trudering-Riem oder Lehrer-Wirth-Straße, die Sperrung gilt derzeit nur für diese konkreten Straßen.
  2. Falls ja, den Alltag auf das werktägliche Fenster von 7.30 bis 8.00 Uhr ausrichtenEs gilt ganzjährig inklusive Ferien, also als dauerhafter Teil der Routine, nicht als etwas, das nur gelegentlich zu umgehen ist.
  3. Für ein schnelles Absetzen die ausgewiesene Bring- und Holzone nutzenNicht die gesperrte Straße selbst, und die Zone nicht als erweiterten Parkplatz behandeln, während das Kind den Rest des Wegs zu Fuß geht.
  4. Wer in der gesperrten Zone wohnt oder arbeitet, sollte eine Anwohner- oder Gewerbegenehmigung beantragenGültig drei Jahre gegen eine kleine Gebühr, stellt den gewohnten Zugang wieder her.
  5. Nicht riskieren, trotzdem durchzufahrenAllein für die Sperrungsverletzung liegt das Bußgeld real bei 50 Euro, mehr noch, wer zusätzlich im angrenzenden Halteverbot hält.
  6. Hängt die eigene Routine stärker am Elterntaxi als gewünscht, lohnt ein Blick auf Münchens kostenlosen [Bus mit Füßen](/de/munich/laufbus-bus-mit-fuessen-walking-school-bus/)Als echte Alternative für zumindest einen Teil der Woche.

Rechtlicher Hinweis

Diese Seite bildet Münchens Schulstraßen-Programm so ab, wie es Mitte 2026 läuft, mit den beiden zum Zeitpunkt der Recherche aktiven Standorten. Die Stadt kann nach ihrer Auswertung dieser beiden Standorte weitere Schulstraßen hinzufügen. Aktuelle Sperrungen, Genehmigungspflichten und die genauen Bring- und Holzonen bitte direkt über muenchenunterwegs.de oder bei der Schule des eigenen Kindes bestätigen, bevor angenommen wird, eine bestimmte Straße sei oder sei nicht betroffen.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Kann ich mein Kind trotzdem direkt zu einer Münchner Schule mit Schulstraße fahren?

Nicht die gesperrte Straße selbst, jedenfalls nicht im werktäglichen Fenster von 7.30 bis 8.00 Uhr, genau das soll die Maßnahme verhindern. Jede Schulstraße hat in der Nähe eine ausgewiesene Bring- und Holzone, an einer Straße knapp außerhalb der Sperrung, wo ein kurzes, echtes Absetzen weiterhin völlig in Ordnung ist. Nicht erlaubt ist, diese Zone wie einen erweiterten Parkplatz zu behandeln, während das Kind den Rest des Wegs zu Fuß geht. Der Sinn ist, den Parksuchverkehr vom unmittelbaren Schultor fernzuhalten.

Was, wenn ich tatsächlich in einer Straße wohne, die zur Schulstraße wird?

Anwohner innerhalb der gesperrten Zone, ebenso wie Menschen, die dort arbeiten oder ein Geschäft betreiben, können eine Ausnahmegenehmigung beantragen, die den weiteren Zugang erlaubt. Die Genehmigung kostet eine kleine Gebühr und gilt drei Jahre. Krankentransporte und Pflegekräfte, die einen pflegebedürftigen Anwohner besuchen, sind ebenfalls abgedeckt. Der Zugang zur eigenen Straße geht also nicht verloren, es braucht nur den entsprechenden Antrag statt einer stillschweigenden Annahme freier Einfahrt.

Ist das nur ein befristeter Test, oder wird es auf mehr Schulen ausgeweitet?

Der Münchner Stadtrat hat Schulstraßen ausdrücklich als dauerhafte Maßnahme angelegt, nicht als zeitlich begrenztes Verkehrsexperiment, und das Programm erhielt im März 2025 die Stadtratszustimmung, bevor die erste Straße in Betrieb ging. Das Mobilitätsreferat wertet die beiden bestehenden Standorte aus, um zu entscheiden, ob und wo weitere sinnvoll wären. Eine konkrete Liste oder ein Zeitplan für eine Ausweitung wurde bislang nicht veröffentlicht, und auch mehr als ein Jahr nach der Stadtratszustimmung ist bislang keine dritte Schulstraße hinzugekommen.

Warum gibt es das überhaupt, ist das Bringen zur Schule nicht einfach ein normaler Teil des Morgens?

Umfragedaten stützen direkt, warum die Stadt das tut. Eine Forsa-Umfrage von 2024 für den TÜV-Verband ergab, dass 92 Prozent der Bevölkerung insgesamt und 94 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder speziell finden, Kinder würden zu oft zur Schule gefahren. Eine Umfrage der ADAC Stiftung fand, dass 25 Prozent der Grundschulkinder an mehr als der Hälfte aller Schultage mit dem Auto gebracht werden, dass 62 Prozent der Eltern sagen, es gebe direkt vor dem Schulgebäude einfach zu viele Autos, und dass 56 Prozent sagen, Elterntaxis würden echte gefährliche Verkehrssituationen schaffen. Die Gründe, die Eltern fürs weitere Fahren nennen: Anschlusstermine des Kindes (39 Prozent), schlechtes Wetter (38 Prozent), die Schule liegt auf dem eigenen Arbeitsweg (30 Prozent), Zeitersparnis (23 Prozent) und schlicht Bequemlichkeit (18 Prozent). Nur 11 Prozent nennen Verkehrssicherheit als Grund.

Gibt es über die Schulstraßen-Sperrungen hinaus Hilfe beim Überqueren von Straßen, und gibt es dazu eine Karte?

Ja, zwei separate, aber verwandte städtische Angebote decken genau das ab. Münchens Mobilitätsreferat betreibt das ehrenamtliche Programm Schulweghelfer*innen, rund 530 Menschen stadtweit, die jeden Morgen an bestimmten Zebrastreifen, Ampeln und Fußgängerüberwegen Kindern beim sicheren Überqueren helfen, weit über die zwei Schulstraßen hinaus. Die Ehrenamtlichen erhalten wetterfeste Kleidung, eine polizeiliche Sicherheitseinweisung, eine Unfallversicherung und eine kleine Aufwandsentschädigung für die Tätigkeit. Getrennt davon hat die Stadt ihre alten gedruckten Schulwegpläne 2022 durch ein digitales Schulwegportal ersetzt, einsehbar über Münchens GeoPortal. Es zeigt genau, wo diese Schulweghelfer*innen, Ampeln und markierte Fußgängerüberwege in einer interaktiven Karte liegen, mit täglich aktualisierten Einsatzzeiten und getrennten Versionen für Fuß- und Rollerrouten sowie Radrouten. Es lohnt sich, vor der Annahme, der eigene Schulweg habe gar keine betreute Querungsstelle, tatsächlich einmal nachzusehen.

Ändert sich die Elterntaxi-Nutzung mit den Jahreszeiten wirklich, oder ist sie das ganze Jahr über konstant?

Sie steigt in den kälteren Monaten messbar an. Eine ADAC-Umfrage unter 3.395 Eltern von Kindern zwischen 5 und 15 Jahren, durchgeführt im Frühjahr 2023, fand, dass 17 Prozent der Kinder in den wärmeren Frühlings- und Sommermonaten überwiegend mit dem Auto zur Schule gebracht wurden, ein Anteil, der im Herbst und Winter auf 22 Prozent stieg. Eltern nennen schlechtes Wetter als einen konkreten Grund für diesen saisonalen Anstieg, neben denselben Anschlusstermin- und Zeitersparnisgründen, die die Elterntaxi-Nutzung ohnehin prägen. Wer versucht, eine Fuß- oder Bus-mit-Füßen-Routine über einen Münchner Winter hinweg beizubehalten, sollte mit diesem echten Muster planen, statt anzunehmen, die Gewohnheit bliebe das ganze Jahr über gleich.