Hamburgs Feiertagskalender und Sonntagsschluss: die Liste, das Ladenöffnungsgesetz und die Fischmarkt-Ausnahme
Wer aus München oder einer anderen katholisch geprägten Region nach Hamburg zieht, rechnet meist mit zu vielen Feiertagen. Hamburg kennt 2026 und 2027 nur 10 gesetzliche Feiertage: Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Tag der Deutschen Einheit, Reformationstag und die beiden Weihnachtsfeiertage. Bayern kommt auf 13, weil Heilige Drei Könige, Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt und Allerheiligen dort gefeiert werden, in Hamburg aber gar nicht existieren. Umgekehrt hat Hamburg mit dem Reformationstag am 31. Oktober einen Feiertag, den weder München noch Berlin kennen: Die Hamburgische Bürgerschaft hat ihn erst am 28. Februar 2018 eingeführt, zusammen mit Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Unter diesem Kalender liegt eine strengere, eigenständige Regel: Das Hamburgische Gesetz zur Regelung der Ladenöffnungszeiten (LÖG HA) schreibt vor, dass Verkaufsstellen an Sonn- und Feiertagen für den Kundenverkehr geschlossen bleiben müssen. Ausnahmen gibt es nur für klar benannte Fälle: Bäckereien, Blumenläden und Zeitungskioske dürfen innerhalb von 07 bis 16 Uhr bis zu fünf Stunden öffnen, Tankstellen und Apotheken unterliegen gar keiner Zeitbeschränkung, und Läden in Hauptbahnhof, Bahnhof Altona, Dammtor und am Flughafen dürfen durchgehend verkaufen, weshalb die EDEKA Lars Tamme im Hauptbahnhof täglich, auch sonntags, von 07 bis 23 Uhr geöffnet hat. Zusätzlich erlaubt die Stadt bis zu vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr, 13 bis 18 Uhr, gebunden an einzelne Stadtteil-Anlässe und jedes Jahr neu festgelegt. Eine echte Institution für sich ist der Fischmarkt in Altona: Er existiert seit 1703 und öffnet sonntags von 05 bis 09:30 Uhr (Mitte März bis Mitte November) beziehungsweise 07 bis 09:30 Uhr im Winter, mit bis zu 50.000 Besuchern an einem guten Sommersonntag. Das bedeutet aber nicht, dass in Hamburg sonntags generell eingekauft werden kann: Wochenmärkte wie dieser laufen rechtlich über eine völlig andere Schiene, die Gewerbeordnung, nicht über das Ladenöffnungsgesetz, und genau deshalb bestätigt der Fischmarkt die allgemeine Regel, statt sie zu widerlegen.
Die offizielle Regel
Wer mit einem bayerischen Feiertagskalender im Kopf nach Hamburg zieht, rechnet fast immer mit der falschen Zahl. Nach dem amtlichen Kalender von hamburg.de gelten in Hamburg genau 10 gesetzliche Feiertage: Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Tag der Deutschen Einheit, Reformationstag und die beiden Weihnachtsfeiertage. Bayern kommt auf 13. Vollständig fehlend in Hamburg: Heilige Drei Könige (6. Januar), Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt (15. August) und Allerheiligen (1. November), allesamt in München und anderen historisch katholischen Regionen echte, bezahlte freie Tage. Hamburgs eigene bürgerliche und religiöse Geschichte verläuft in die andere Richtung, protestantisch und säkular geprägt, weshalb keiner dieser vier Feiertage hier je übernommen wurde.
| Feiertag | 2026 | 2027 |
|---|---|---|
| Neujahr | 1. Jan (Do) | 1. Jan (Fr) |
| Karfreitag | 3. Apr (Fr) | 26. Mär (Fr) |
| Ostermontag | 6. Apr (Mo) | 29. Mär (Mo) |
| Tag der Arbeit | 1. Mai (Fr) | 1. Mai (Sa) |
| Christi Himmelfahrt | 14. Mai (Do) | 6. Mai (Do) |
| Pfingstmontag | 25. Mai (Mo) | 17. Mai (Mo) |
| Tag der Deutschen Einheit | 3. Okt (Sa) | 3. Okt (So) |
| Reformationstag | 31. Okt (Sa) | 31. Okt (So) |
| Weihnachten (1. Feiertag) | 25. Dez (Fr) | 25. Dez (Sa) |
| Weihnachten (2. Feiertag) | 26. Dez (Sa) | 26. Dez (So) |
Der Reformationstag lohnt eine genauere Betrachtung, weil er wirklich neu ist. Der 31. Oktober war seit der Wiedervereinigung bereits in fünf ostdeutschen Ländern ein dauerhafter Feiertag: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In Hamburg passierte an diesem Datum lange nichts, bis die Hamburgische Bürgerschaft am Mittwoch, dem 28. Februar 2018, mit 66 von 121 Stimmen für die Einführung stimmte, wie evangelisch.de damals berichtete. Schleswig-Holstein war ihm wenige Tage zuvor bereits vorausgegangen, Niedersachsen und Bremen zogen im selben Jahr nach. Ein Teil des Anstoßes war, ein altes Ungleichgewicht zu verkleinern: Der katholisch geprägte Süden hatte über die Jahrzehnte schlicht mehr bezahlte Feiertage angesammelt als der protestantische Norden. Aus der Tabelle wird sichtbar, dass der Reformationstag 2026 wie 2027 auf ein Wochenende fällt, bringt also in keinem der beiden Jahre einen zusätzlichen freien Werktag, trotzdem lohnt es sich, ihn zu kennen: Kolleginnen und Kollegen aus Bayern, Berlin oder zehn weiteren Ländern haben an diesem Tag schlicht keinen Feiertag, wer von weiter südlich zugezogen ist, teilt also nicht automatisch denselben Kalender.
Unter dem Feiertagskalender liegt eine strengere, eigenständige Regel für gewöhnliche Sonntage. Hamburgs eigene Verwaltung formuliert das auf der amtlichen Seite zu den Ladenöffnungszeiten unmissverständlich: „An Sonn- und Feiertagen müssen Verkaufsstellen aller Art für den geschäftlichen Verkehr mit Kunden geschlossen sein.” Grundlage ist das Hamburgische Gesetz zur Regelung der Ladenöffnungszeiten, kurz LÖG HA, in Kraft seit dem 1. Januar 2007. An gewöhnlichen Werktagen und Samstagen dürfen Läden dagegen praktisch unbeschränkt öffnen, laut Gesetz von 06 Uhr bis Mitternacht, auch wenn die meisten Geschäfte in der Praxis kürzere eigene Öffnungszeiten wählen.
| Kategorie | Rechtsgrundlage | Erlaubte Zeiten |
|---|---|---|
| Bäckereien, Blumenläden, Zeitungskioske, Milchprodukte | § 6 LÖG HA | Bis zu 5 Stunden innerhalb von 07-16 Uhr |
| Apotheken | § 6 LÖG HA | Keine Zeitbeschränkung |
| Tankstellen (Kraftstoff, Autobedarf, Reisebedarf) | § 6 LÖG HA | Keine Zeitbeschränkung |
| Bahnhofs-, Flughafen- und Hafenläden | § 6 LÖG HA | Keine Zeitbeschränkung |
| Elbmeile, saisonale/touristische Waren, Mitte März bis 31. Okt | LÖG-HA-Durchführungsverordnung | 12-20 Uhr |
| Verkaufsoffener Sonntag | LÖG HA, städtische Genehmigung | Bis zu 4 Tage/Jahr, 13-18 Uhr |
| 24. Dezember (Werktag), allgemeiner Einzelhandel | LÖG HA | Nur bis 14 Uhr |
Der Gesetzestext ist bei diesem letzten Punkt ebenso eindeutig: „Wenn der 24. Dezember auf einen Werktag fällt, dürfen Verkaufsstellen aller Art nur bis 14 Uhr für den geschäftlichen Verkehr mit Kunden öffnen.” Fällt der 24. Dezember dagegen auf einen Sonntag, gilt schlicht der reguläre Sonntagsschluss, kein gesonderter Zwischenfall.
Die Bahnhofs- und Tankstellen-Ausnahmen sind es, die einen echten Sonntagseinkauf überhaupt möglich machen. Hamburgs eigenes Branchenverzeichnis listet die EDEKA Lars Tamme im Hauptbahnhof mit Öffnungszeiten von 07 bis 23 Uhr, jeden Tag im Jahr, Sonntage und Feiertage eingeschlossen, und derselbe Betreiber führt vergleichbare Filialen in Bahnhof Altona und in der Airport Plaza, während Feinkost Brügmann den Dammtor abdeckt. Laut der eigenen Übersicht von Haspa Insider betreiben zudem mehr als 20 Aral-Tankstellen in der Stadt einen Rewe-to-go-Minimarkt, bestückt mit frischen Produkten, Fertiggerichten und Milchprodukten statt nur dem üblichen Tankstellen-Snackregal, täglich geöffnet, Sonntag inklusive. Das gilt ausdrücklich nicht für einen gewöhnlichen Edeka oder Rewe im Wohnviertel, egal wie groß oder bekannt: Die Ausnahme hängt am konkreten Standort, im Bahnhof, am Flughafen oder auf dem Tankstellengelände, nicht an der Größe oder Beliebtheit des Geschäfts.
- 1 Hauptbahnhof: EDEKA Lars Tamme, täglich 07 bis 23 Uhr, ganzjährig
- 2 Bahnhof Altona: EDEKA Lars Tamme und ein LIDL, beide sonntags geöffnet
- 3 Bahnhof Dammtor: Feinkost Brügmann (Bäckerei, Bistro, Kiosk, Feinkost)
- 4 Airport Plaza: EDEKA Lars Tamme, sonntags geöffnet
- 5 Fischmarkt Altona: nur sonntags morgens, schließt spätestens um 09:30 Uhr, kein Supermarktersatz
Über die fest eingebauten Ausnahmen hinaus erlaubt Hamburgs eigene Verordnung bis zu vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr, besondere Sonntage, an denen Läden in einzelnen Stadtteilen von 13 bis 18 Uhr öffnen dürfen, laut Hamburgs eigener Seite zu den verkaufsoffenen Sonntagen. Das ist kein stadtweites Ereignis an einem festen Datum: Jeder Termin ist an ein konkretes Thema oder einen Anlass gebunden, ein für 2026 Ende September angesetzter Termin trägt das Motto „Kinder, Jugend und Familie”, ein weiterer im frühen November steht unter dem Motto „Kultur”, und welche Stadtteile mitmachen, wird für jeden Termin einzeln bestätigt statt automatisch die ganze Stadt zu erfassen. Ohne einen Blick auf die aktuell bestätigte Liste des jeweiligen Jahres sollte niemand davon ausgehen, dass ein verkaufsoffener Sonntag auch im eigenen Viertel gilt.
Dann ist da noch der Fischmarkt, und es lohnt sich, genau zu verstehen, warum er überhaupt öffnen darf, statt es einfach hinzunehmen. Der Markt an der Großen Elbstraße in Altona besteht seit 1703, die historisch getrennten Fischmärkte von Altona und Hamburg wurden 1934 offiziell zusammengelegt. Heute verkaufen dort rund 140 Standbetreiber auf etwa 20.000 Quadratmetern, an einem warmen Sommersonntag kommen bis zu 50.000 Besucherinnen und Besucher, im Winter eher um die 15.000. Die Öffnungszeiten sind kurz und enden abrupt: 05 bis 09:30 Uhr vom 15. März bis zum 14. November, sonst 07 bis 09:30 Uhr, ein einziges Zeitfenster am Sonntagmorgen, kein ganztägiges Event. Dieser abrupte Schnitt hat einen kirchengeschichtlichen Hintergrund: Örtliche Geistliche wollten nicht, dass Handel und Feilschen den sonntäglichen Gottesdienst stören, weshalb Verkauf nur am frühen Morgen erlaubt wurde, pünktlich beendet, bevor die Kirchenglocken zum Gottesdienst rufen.
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Das macht den Fischmarkt trotzdem zu keiner Lücke in Hamburgs Sonntagsschluss, denn er war nie Teil dieser Regel. Die Gewerbeordnung behandelt einen echten Wochenmarkt in § 67 als eigene Rechtskategorie. Ein Markt mit offizieller Marktfestsetzung, wie sie das Bezirksamt Altona hier erteilt und mit einer Marktmeisterin oder einem Marktmeister sowie acht Marktaufsehern für den Sonntag koordiniert, erhält damit das sogenannte Marktprivileg: vollständige Befreiung von den Ladenöffnungszeiten des LÖG HA, ein Status, den dieser Markt in irgendeiner Form schon lange vor dem modernen Ladenrecht innehatte. Das ist ein grundsätzlich anderer rechtlicher Kanal als die Entscheidung eines Supermarkts oder einer Boutique, sonntags offen zu bleiben. Richtig gelesen ist der geöffnete Fischmarkt kein Beleg dafür, dass Hamburgs Läden sonntags allgemein öffnen dürfen, sondern die einzige, jahrhundertealte, eigens lizenzierte Ausnahme, um die herum die allgemeine Schließregel überhaupt geschrieben wurde, kein Muster, das sich auf irgendeinen anderen Stand, Markt oder Laden in der Stadt übertragen lässt.
Was Betroffene berichten
Der erste Reflex vieler Zugezogener, gleich aus welchem Land, ist derselbe: ein Sonntagnachmittag, ein leerer Kühlschrank, und die Erkenntnis, dass Supermärkte und Einkaufszentren tatsächlich vollständig geschlossen sind. In Ländern mit durchgehendem Wochenendhandel wirkt das zunächst wie ein Missverständnis, bis der zweite und dritte Sonntag genau dasselbe zeigen.
Der Fischmarkt macht diese Geschichte in Hamburg komplizierter, statt sie einfach zu bestätigen. Wer den Markt zum ersten Mal besucht, erwartet oft eine Ausnahme vom Sonntagsschluss im weiteren Sinne, findet aber ein historisches Relikt vor, das aus einem kirchlichen Kompromiss aus früheren Jahrhunderten stammt und bis heute exakt um 09:30 Uhr endet. Das ist für die praktische Planung entscheidend: Der Fischmarkt ist eine überlebende Institution innerhalb eines 2026 weiterhin strikten Ladenschlussrechts, kein Hinweis darauf, dass sich irgendwo eine allgemeine Einkaufslücke am Sonntag verbirgt.
Die praktische Reaktion langjähriger Hamburgerinnen und Hamburger auf die Frage, wo sonntagabends noch Milch zu bekommen ist, fällt entsprechend kurz aus: eine Handvoll fest im Kopf gespeicherter Adressen, Bahnhofsläden und Aral-Tankstellen mit Rewe-to-go-Ecke, statt der Erwartung, „irgendein Laden in der Nähe” könnte offen sein.
Der Reihe nach vorgehen
- Vor der Annahme eines langen Wochenendes die aktuelle amtliche Hamburger Feiertagsliste prüfenmehrere Termine verschieben sich mit Ostern, und der Wochentag des Reformationstags wechselt von Jahr zu Jahr.
- Nicht davon ausgehen, dass eine bayerische oder Berliner Kollegin oder ein Kollege dieselben Feiertage hatder Reformationstag existiert nur in Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und fünf ostdeutschen Ländern, München und Berlin kennen ihn nicht.
- Den eigentlichen Wocheneinkauf auf Samstag legen. Davon ausgehen, dass jeder gewöhnliche Laden, auch große Supermärkte, sonntags und an allen 10 Feiertagen geschlossen ist.
- Bei echtem Sonntagsbedarf zuerst einen Bahnhofsladen oder eine Aral-Tankstelle ansteuerndie EDEKA-Lars-Tamme-Filialen in Hauptbahnhof, Bahnhof Altona und Airport Plaza, oder eine der über 20 Aral-Rewe-to-go-Theken, statt hoffnungsvoll zum Supermarkt im eigenen Viertel zu laufen.
- Vor der Planung um einen verkaufsoffenen Sonntag herum jedes Jahr die aktuelle Seite auf hamburg.de prüfenHamburg erlaubt nur vier davon, gebunden an konkrete Stadtteile und Themen, mit von Jahr zu Jahr wechselnden Terminen.
- Den Fischmarkt als Sonntagsausflug behandeln, nicht als Wocheneinkaufer schließt spätestens um 09:30 Uhr, und das Angebot an Fisch, Obst, Blumen und Souvenirs ersetzt keinen richtigen Supermarktbesuch.
- Im Kopf behalten, dass die Sonntagsöffnung des Fischmarkts eine marktrechtliche Ausnahme ist, keine Lücke im Ladenschlusser läuft über ein eigenes Wochenmarkt-Privileg in der Gewerbeordnung, seine Öffnung sagt also nichts darüber aus, ob ein anderer Laden in der Nähe legal öffnen dürfte.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Beitrag erklärt den allgemeinen Rahmen von Hamburgs Feiertagen und Sonntagsschluss-Regeln, Stand Mitte 2026. Er ist keine Rechtsberatung. Feiertagstermine, Ausnahmen bei den Öffnungszeiten und die Teilnahme an verkaufsoffenen Sonntagen können sich je nach Stadtteil und Jahr ändern. Aktuelle Details sollten direkt bei hamburg.de oder dem zuständigen Bezirksamt bestätigt werden.
Häufige Fragen & Stolperfallen
Hat Hamburg wirklich weniger Feiertage als München?
Ja, und der Unterschied ist real. Hamburg zählt jährlich 10 gesetzliche Feiertage, Bayern und mit ihm München kommen auf 13. Vier bayerische Feiertage fehlen in Hamburg vollständig: Heilige Drei Könige (6. Januar), Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt (15. August) und Allerheiligen (1. November), alle vier historisch katholisch geprägt. Hamburgs eigene, protestantisch-säkulare Stadtgeschichte hat diese Feiertage nie übernommen. Wer mit einer aus München zugezogenen Kollegin oder einem Kollegen den Kalender vergleicht, sollte nicht von denselben freien Tagen ausgehen.
Was ist der Reformationstag, und warum feiert Hamburg ihn, wenn Bayern und Berlin es nicht tun?
Der Reformationstag am 31. Oktober erinnert an den Beginn der protestantischen Reformation und war seit der Wiedervereinigung bereits in fünf ostdeutschen Ländern ein fester Feiertag. In Hamburg gab es an diesem Datum bis zum 28. Februar 2018 nichts, dann stimmte die Hamburgische Bürgerschaft mit 66 von 121 Stimmen dafür, ihn einzuführen, wenige Tage nach Schleswig-Holstein und im selben Jahr wie Niedersachsen und Bremen. Ein Teil der Motivation war, das lange bestehende Ungleichgewicht zwischen dem feiertagsreicheren katholischen Süden und dem protestantischen Norden zu verkleinern. In Bayern, Berlin und den übrigen Ländern wird er weiterhin nicht begangen, echte norddeutsche Besonderheit statt bundesweiter Feiertag.
Gibt es in Hamburg überhaupt eine verlässliche Möglichkeit, sonntags einzukaufen?
Ja, aber es ist eine kurze, konkrete Liste, keine allgemeine Regel. Läden innerhalb von Bahnhöfen und am Flughafen unterliegen laut LÖG HA keiner Sonntagsbeschränkung, deshalb haben die EDEKA-Lars-Tamme-Filialen in Hauptbahnhof, Bahnhof Altona und Airport Plaza sowie Feinkost Brügmann am Dammtor tatsächlich sonntags geöffnet. Über 20 Aral-Tankstellen in der Stadt betreiben zusätzlich einen Rewe-to-go-Minimarkt mit frischen Produkten statt nur Snacks, ebenfalls täglich einschließlich Sonntag. Ein gewöhnlicher Edeka oder Rewe im Wohnviertel fällt nicht darunter, egal wie groß oder bekannt er ist: Die Ausnahme hängt am konkreten Standort, nicht an der Ladengröße.
Kann ich sonntagmorgens auf dem Fischmarkt tatsächlich den ganzen Wocheneinkauf erledigen?
Nicht wirklich, und wer es so plant, verkennt den Charakter des Marktes. Der Fischmarkt schließt spätestens um 09:30 Uhr, im Winter, wenn er erst um 07 Uhr öffnet, ist das gleichzeitig auch die früheste Schließzeit, und die rund 140 Standbetreiber verkaufen Fisch, Obst und Gemüse, Blumen, Backwaren und Souvenirs statt eines vollständigen Supermarktsortiments. Es ist ein echter Hamburger Sonntagsausflug mit langer Tradition, aber kein Ersatz für den Einkauf, der eigentlich schon am Samstag erledigt sein sollte.
Was sind verkaufsoffene Sonntage, und wo finde ich die tatsächlichen Termine?
Das sind besondere Sonntage, laut LÖG HA bis zu vier pro Jahr, an denen Läden in einzelnen Stadtteilen von 13 bis 18 Uhr öffnen dürfen, meist gebunden an ein lokales Event oder ein saisonales Thema statt an ein stadtweites Ereignis. Hamburg legt Termine, Stadtteile und Themen jedes Jahr neu auf der eigenen Seite zu den verkaufsoffenen Sonntagen fest, statt sie dauerhaft zu kalendarisieren, und nicht jeder Stadtteil macht bei jedem Termin mit. Vor der Planung eines Einkaufsbummels lohnt sich deshalb ein Blick auf die aktuell bestätigte Liste des jeweiligen Jahres.
Warum darf der Fischmarkt überhaupt sonntags öffnen, wenn sonst alles geschlossen ist?
Weil er gar nicht unter das Ladenschlussrecht fällt. Die Gewerbeordnung behandelt einen echten Wochenmarkt in § 67 als eigene Rechtskategorie, und ein Markt mit offizieller Marktfestsetzung, wie sie das Bezirksamt Altona für den Fischmarkt erteilt hat, genießt damit eine vollständige Befreiung von den Ladenöffnungszeiten des LÖG HA, ein Status, der hier älter ist als das moderne Ladenrecht selbst. Das ist ein völlig anderer rechtlicher Kanal als die Entscheidung eines Supermarkts oder einer Boutique, offen zu bleiben, weshalb der geöffnete Fischmarkt nichts darüber aussagt, ob der Laden um die Ecke sonntags öffnen dürfte.
