Fremde Karte am Hamburger Geldautomaten: Die Zwei-Zeilen-Frage, die über den Aufpreis entscheidet

Wer mit einer außerhalb der Eurozone ausgestellten Karte an einem Hamburger Geldautomaten oder Kartenterminal zahlt, egal ob am Flughafen Fuhlsbüttel, in der Wandelhalle des Hauptbahnhofs oder an den Landungsbrücken, bekommt fast immer dieselbe Frage gestellt: Abrechnung in Euro oder in der eigenen Heimatwährung? Wer die eigene Währung wählt, akzeptiert die dynamische Währungsumrechnung (Dynamic Currency Conversion, DCC), bei der nicht die eigene Bank, sondern der Automatenbetreiber den Wechselkurs festlegt. Nach der EU-Verordnung 2019/518 muss dieser Betreiber den Gesamtaufschlag als Prozentsatz über dem aktuellen Referenzkurs der Europäischen Zentralbank offenlegen, bevor die Transaktion bestätigt wird, seit dem 19. April 2020 EU-weit verbindlich, eine Obergrenze für die Höhe des Aufschlags legt die Verordnung aber nicht fest. Wie hoch das in der Praxis ausfallen kann, zeigt ein Blick auf die Reisebank, die am Terminal 2 des Hamburg Airport, in der Wandelhalle des Hauptbahnhofs am Hachmannplatz und mit einem rund um die Uhr geöffneten Automaten an den Landungsbrücken Brücke 5 vertreten ist: Nach eigenen, öffentlich einsehbaren Gebührenangaben kostet eine DCC-Abhebung dort rund 4,99 Euro plus bis zu 13 Prozent. Ein Stiftung-Warentest-Stichprobentest von Euronet-Automaten, einem weiteren in deutschen Städten aktiven Betreiber, fand bei deutschen Karteninhabern im Ausland eine Benachteiligung von bis zu 9,6 Prozent gegenüber der nachträglichen Umrechnung durch die Hausbank. Nichts davon ist Hamburg-spezifisches Recht, DCC wird EU-weit einheitlich geregelt, aber die Automaten konzentrieren sich in Hamburg auffällig genau an den Stellen, an denen Neuankömmlinge und Kreuzfahrtgäste zuerst Bargeld brauchen. Die Regel bleibt immer gleich: Immer Euro wählen, manchmal als „ohne Umrechnung" oder „decline" beschriftet, und wenn möglich einen Automaten von Sparkasse, Volksbank, Deutsche Bank, Postbank oder Commerzbank statt eines unabhängigen Betreibers nutzen.

Hamburgs eigene Ausprägung der Falle

Hamburg ist Deutschlands größter Hafen und ein bedeutendes Kreuzfahrt-Ziel, entsprechend konzentriert sich der Strom ausländischer Karten an wenigen Engpässen: der Flughafen Fuhlsbüttel, die Wandelhalle des Hauptbahnhofs und die St.-Pauli-Uferpromenade rund um die Landungsbrücken, wo Kreuzfahrt- und Hafenrundfahrt-Gäste in die Innenstadt strömen. An fast jedem dieser Engpässe steht früher oder später ein Automat, der dieselbe Zwei-Zeilen-Frage stellt.

Dynamische Währungsumrechnung, DCC, ist genau diese Frage, und sie ist der häufigste Weg, wie eine ausländische Karte in Deutschland still und leise Geld verliert. Der Automat bietet an, die Abhebung oder Zahlung direkt in der Heimatwährung abzurechnen, statt in Euro abzurechnen und die Umrechnung der eigenen Bank zu überlassen. Nicht die Bank, sondern der Betreiber des Automaten legt für diese Sofortumrechnung den Wechselkurs fest. Nach der Verordnung (EU) 2019/518 muss dieser Betreiber seit dem 19. April 2020 den Gesamtaufschlag als Prozentsatz über dem aktuellen Referenzkurs der Europäischen Zentralbank offenlegen, bevor die Transaktion bestätigt wird, dazu den Betrag sowohl in der Zahlungswährung als auch in der Kontowährung anzeigen. Die Verordnung begrenzt aber nur die Sichtbarkeit des Aufschlags, nicht seine Höhe. Eine eigene Hamburger oder norddeutsche Regel gibt es dazu nicht, dieser Mechanismus greift in Hamburg genauso wie in München oder in einem bayerischen Dorf. Was sich von Stadt zu Stadt tatsächlich unterscheidet, ist allein, wo die Automaten physisch stehen.

Der Hamburg Airport zeigt die Trennlinie besonders deutlich, weil dort beide Automatentypen im selben Terminalkomplex stehen. Im öffentlichen Bereich vor der Sicherheitskontrolle betreiben gewöhnliche Retailbanken die Automaten: Hamburger Sparkasse mit mehreren Standorten in Terminal 1 und am Airport Plaza, Hamburger Volksbank ebenfalls am Airport Plaza, Postbank in Terminal 2, Deutsche Bank in Terminal 1. Nach der Sicherheitskontrolle verschiebt sich die Betreiberlandschaft zu Währungsspezialisten: Reisebank und Travelex betreiben dort eigene Automaten und Wechselschalter, deren Geschäftsmodell zu einem erheblichen Teil davon abhängt, dass ein Teil der Reisenden das Umrechnungsangebot annimmt.

300 Euro an einem Reisebank-Automaten in Hamburg abheben: DCC akzeptiert gegenüber abgelehnt
DCC akzeptieren (Heimatwährung)DCC ablehnen (Abrechnung in Euro)
Wer den Wechselkurs festlegtReisebank, sofortDie eigene Karten ausgebende Bank, nachträglich
Von Reisebank selbst veröffentlichter AufschlagBis zu 13 % über dem EZB-ReferenzkursEntfällt, kein DCC-Aufschlag
Reisebanks feste AbhebungsgebührRund 4,99 EUR in beiden FällenRund 4,99 EUR in beiden Fällen
Grob vermeidbare Zusatzkosten bei dieser AbhebungBis zu rund 39 EUR (feste Gebühr plus 13 % Aufschlag)Nur die feste Gebühr

Der Hauptbahnhof wiederholt dasselbe Muster im Kleinen. In der Wandelhalle am Hachmannplatz betreibt die Reisebank eine Filiale mit nahezu 100 handelbaren Fremdwährungen, dazu Automaten, die gewöhnliche Girocards und Kreditkarten annehmen. Ein genuin praktischer Stopp direkt nach der Zugankunft, dieselbe Regel gilt trotzdem, sobald der Bildschirm eine Währungswahl anbietet.

Nahaufnahme der Zifferntastatur und des Kartenschlitzes eines Kartenzahlungsterminals, seitlich beleuchtet

Foto von Nic Wood auf Pexels

Unten am Wasser betreibt die Reisebank etwas Ungewöhnliches: einen vollständig selbstbedienten, rund um die Uhr geöffneten Automaten direkt an Brücke 5 der St.-Pauli-Landungsbrücken, der sowohl Euro als auch US-Dollar ausgibt, ohne Personal oder feste Öffnungszeiten. Er liegt wenige Schritte von der Anlegestelle für Hafenrundfahrten und Elbe-Kreuzfahrten entfernt und teilt sich diesen Uferabschnitt mit einem Automaten der Hamburger Sparkasse.

Kreuzfahrtgäste verdienen eine ehrliche Einordnung statt einer Vermutung. Hamburg führt Kreuzfahrtschiffe über zwei Hauptterminals, Cruise Center Steinwerder auf der anderen Elbseite und das neuere Cruise Center HafenCity nahe der Speicherstadt. Keiner der beiden Terminalbetreiber veröffentlicht Details zu einem eigenen Geldwechselautomaten im Gebäude selbst, das lässt sich also nicht seriös bestätigen. Gut dokumentiert ist dagegen, wohin ein Kreuzfahrt-Tagesgast kurz danach weiterzieht: über die Landungsbrücken und St. Pauli in die Innenstadt, genau der oben beschriebene Uferabschnitt.

Dieselbe Währungswahl taucht auch an Kartenzahlungsterminals auf, nicht nur an Geldautomaten. Wer mit einer ausländischen Karte in einem Geschäft, an einem Fischmarkt-Stand oder in einer Reeperbahn-Bar zahlt, kann demselben DCC-Angebot begegnen. Die Lösung bleibt gleich: Umrechnung ablehnen, in Euro zahlen, den Wechselkurs der eigenen Karte überlassen.

Was die Betreiber selbst offenlegen

Die ehrlichen, offengelegten Zahlen sprechen für sich. Reisebanks eigene Gebührenangaben, unabhängig zusammengefasst, beziffern eine DCC-Abhebung an ihren Automaten, denselben Standorten im Hamburg Airport, im Hauptbahnhof und an den Landungsbrücken, mit rund 4,99 Euro plus bis zu 13 Prozent zusätzlich auf den abgehobenen Betrag. Dieser 13-Prozent-Rahmen liegt höher als bei manch anderem deutschen Betreiber, und er wird freiwillig offengelegt, genau die Art von Transparenz, die die EU-Verordnung 2019/518 verlangt, sobald ein Kunde am Automaten steht.

Euronet, ein weiterer, unabhängiger Automatenbetreiber, der auch in deutschen Städten aktiv ist, hat eine eigene dokumentierte Geschichte. Stiftung Warentest, Deutschlands bekannteste Produkttestorganisation, prüfte Euronet-Automaten, die deutsche Karteninhaber bei Abhebungen im Ausland nutzten, und fand laut zahlungsverkehrsfragen.de, dass die sofortige Euro-Umrechnung Kundinnen und Kunden bis zu 9,6 Prozent schlechter stellte als eine nachträgliche Umrechnung durch die Hausbank. Die Richtung ist hier umgekehrt, ein deutscher Karteninhaber im Ausland statt eines ausländischen Karteninhabers in Hamburg, aber der Mechanismus am Automaten ist identisch, und Euronet betreibt dieselbe Art von Automat auch hierzulande.

Schritt für Schritt

  1. Am Hamburg Airport wenn möglich im öffentlichen Bereich vor der Sicherheitskontrolle abheben, dort überwiegen Sparkasse-, Volksbank-, Postbank- und Deutsche-Bank-Automaten gegenüber den Währungsspezialisten.
  2. Wer bereits im Sicherheitsbereich ist oder schnell Bargeld braucht, sollte den Bildschirm von Reisebank oder Travelex genau lesen, statt sich automatisch durchzuklicken, die Heimatwährungs-Option ist oft der auffälligere Button.
  3. In der Wandelhalle des Hauptbahnhofs oder am Automaten der Landungsbrücken gilt dieselbe Regel, immer Euro wählen, manchmal als „ohne Umrechnung” oder „decline” beschriftet.
  4. Nicht annehmen, dass der nächstgelegene Automat automatisch der günstigste ist. Ein Automat der Hamburger Sparkasse oder Commerzbank steht oft nur wenige Schritte vom zuerst gesichteten Reisebank- oder Euronet-Automaten entfernt.
  5. Dieselbe Regel gilt an Kartenterminals, im Geschäft, am Fischmarkt oder auf der Reeperbahn, nicht nur am Geldautomaten.
  6. Bei Unsicherheit den Kontoauszug der eigenen Karte prüfen, die Transaktionsbezeichnung nennt meist den beteiligten Betreiber.

Rechtlicher Hinweis

Diese Seite erklärt die allgemeine Funktionsweise der dynamischen Währungsumrechnung nach der Verordnung (EU) 2019/518 und wo sie an konkreten Geldautomaten- und Wechselstandorten in Hamburg auftritt, genaue Gebühren, Aufschlagshöhen und welcher Betreiber einen bestimmten Automaten führt, können sich jedoch ändern. Für die eigene Karte und Bank sollten aktuelle Auslandseinsatzbedingungen direkt beim Kartenaussteller bestätigt werden.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Am Hamburg Airport gibt es offenbar sowohl DCC-Automaten als auch sicherere Bankautomaten im selben Gebäude. Wie unterscheide ich sie, bevor ich einen Namen an der Wand lese?

Auf die Zone achten, nicht nur auf den Bildschirm. Hamburg Airports eigenes Betreiberverzeichnis trennt klar: im öffentlichen Bereich vor der Sicherheitskontrolle betreiben Hamburger Sparkasse, Hamburger Volksbank, Postbank und Deutsche Bank gewöhnliche Automaten über Terminal 1 und Terminal 2 verteilt. Nach der Sicherheitskontrolle verschiebt sich das Bild: Reisebank und Travelex betreiben dort Automaten, die auf eine DCC-Abfrage ausgelegt sind. Wenn möglich vor der Kontrolle oder gezielt an einem Bankautomaten abheben, wer bereits im Sicherheitsbereich ist und schnell Bargeld braucht, sollte den Bildschirm einfach genau lesen und Euro wählen.

Macht die Reisebank etwas Unrechtes, wenn sie einen DCC-Aufschlag von bis zu 13 Prozent selbst veröffentlicht?

Nein, im Gegenteil. Diese Offenlegung ist genau das, was die EU-Verordnung 2019/518 verlangt, keine Verletzung davon. Die Verordnung begrenzt die Höhe eines DCC-Aufschlags nicht, sie verlangt nur, ihn vor Bestätigung der Transaktion sichtbar zu machen. Die Reisebank-Automaten am Hamburg Airport, in der Wandelhalle und an den Landungsbrücken liegen an genuin praktischen Orten, sie zu nutzen ist unproblematisch. Die Kosten entstehen erst, wenn dem Umrechnungsangebot zugestimmt wird, statt Euro zu wählen.

Wir sind nur für ein paar Stunden im Rahmen eines Kreuzfahrt-Stopps in Hamburg. Betrifft uns das trotzdem?

Eher noch mehr, weil ein kurzer Zwischenstopp meist eine einzige, hastige Bargeldabhebung bedeutet statt mehrerer über einen längeren Aufenthalt verteilter. Weder Cruise Center Steinwerder noch das neuere Cruise Center HafenCity veröffentlichen Details zu einem eigenen Geldwechselautomaten im Terminal selbst, das lässt sich also nicht seriös bestätigen. Gut dokumentiert ist dagegen, wohin Kreuzfahrtgäste anschließend meist weiterziehen: über die Landungsbrücken und St. Pauli in die Innenstadt, genau dort, wo die oben beschriebenen Automaten stehen.

Ich habe in Hamburg schon irgendwo Bargeld abgehoben und weiß nicht mehr, welche Option ich gewählt habe. Ist das noch wichtig?

Es lohnt sich nachzusehen. In der App oder auf dem Kontoauszug der eigenen Karte: Steht der Betrag in Euro und wurde er erst nachträglich von der eigenen Bank umgerechnet, war es die günstigere Wahl. Steht bereits die Heimatwährung dort, oft mit dem Namen des Betreibers, Reisebank, Euronet oder Travelex, wurde die DCC-Umrechnung akzeptiert. Eine abgeschlossene DCC-Transaktion lässt sich nicht rückgängig machen, aber das Wissen darüber hilft beim nächsten Automaten.