LPG Biomarkt, Bio Company, Alnatura oder Denns: Berlins Bio-Supermarktketten im Vergleich

Berlins Bio-Supermarktszene ist nicht so aufgebaut wie die Münchens oder Hamburgs, wo eine hausgemachte Kette langsam innerhalb der Stadtgrenzen neben zwei bundesweiten Anbietern wuchs. Berlin hat zwei tatsächlich hausgemachte Ketten, nicht eine, und eine davon hat eine noch ungewöhnlichere Entstehungsgeschichte als alles in den beiden anderen Städten. LPG Biomarkt wurde 1994 von Werner Schauerte und Ludwig Rieswick gegründet, zwei Berlinern ohne jede vorherige Bio-Einzelhandelserfahrung, die den ersten Bio-Supermarkt der Stadt eröffneten und ihn nach der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft benannten, dem DDR-zeitlichen Begriff für eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, wobei sie dieselben drei Buchstaben als Lecker, preiswert und gesund neu interpretierten. Das Mitgliedschafts-Rabattsystem, das LPG bis heute prägt, entdeckten sie, nachdem sie in ihrer Stammkneipe zufällig ein Gespräch darüber mitgehört hatten, und fuhren am nächsten Tag nach Kiel, um es sich vor Ort anzusehen. Mehr als drei Jahrzehnte später sind beide Gründer noch immer LPGs Geschäftsführer, die Kette hat bis heute kein Geschäft außerhalb Berlins eröffnet, und sie betreibt inzwischen 10 Filialen, darunter ein Flaggschiff in der Kollwitzstraße in Prenzlauer Berg, das das Unternehmen selbst als Europas größten Bio-Supermarkt bezeichnet, 1.600 Quadratmeter und rund 18.000 Produkte. Genau dieses Viertel ist auch der Ort, dem Berlins Bio-Lebensmittel-Ruf seinen Namen verdankt: Der Die-Zeit-Artikel von 2007, der den Begriff Bionade-Biedermeier für die öko-wohlhabende Gentrifizierer-Kultur Prenzlauer Bergs prägte, nannte ausdrücklich LPG und beschrieb Kundschaft, die dort ökologische Katzenkroketten kaufte. Berlins andere hausgemachte Kette, Bio Company, eröffnete fünf Jahre später, 1999, in Charlottenburg, bewusst ohne Mitgliedschaftspflicht, und betreibt heute 49 ihrer insgesamt 59 deutschlandweiten Standorte innerhalb Berlins selbst, auch wenn das auf Berlin/Brandenburg konzentrierte Geschäft leicht schrumpft, Stand Januar 2026 bundesweit zwei Filialen weniger als im Vorjahr. Auch beide bundesweiten Ketten sind gut vertreten: Alnatura betreibt 20 Berliner Filialen von 156 bundesweit, darunter eine erstmalige Neukölln-Filiale, die im Sommer 2026 eröffnet, und Denns BioMarkt, Teil der dennree Gruppe, listet auf der eigenen Seite mehr als 50 Berliner Standorte, wahrscheinlich der größte Einzelketten-Fußabdruck der Stadt. Prenzlauer Berg bleibt das Viertel, das am stärksten mit der Kultur verbunden ist, die dem Begriff seinen Namen gab, auch wenn der langjährige Spitzname des Bezirks, Schwangerschaftshügel, für seine angeblich extrem hohe Geburtenrate eher Mythos als Statistik ist: Berlins eigene Zahlen setzen die Geburtenrate nur leicht über dem Stadtdurchschnitt an, und der viel diskutierte Babyboom dort verblasst selbst seit Jahren.

Berlins eigene Ketten haben eine seltsamere Geschichte als die Münchens oder Hamburgs

München ließ mit der Zeit eine hausgemachte Bio-Kette, VollCorner, neben zwei bundesweiten Anbietern wachsen. Hamburg ließ zwei wachsen, Erdkorn und Tjaden’s, die von fast demselben Ausgangspunkt entgegengesetzte Wege einschlugen. Berlin hat ebenfalls zwei tatsächlich hausgemachte Ketten, aber die Geschichte hinter der älteren ist ungewöhnlicher als in beiden anderen Städten, und sie ist zufällig mit einem der bekanntesten je über die eigenen Konsumgewohnheiten dieser Stadt veröffentlichten Texte verwoben.

LPG Biomarkt eröffnete 1994 Berlins ersten Bio-Supermarkt, gegründet von Werner Schauerte und Ludwig Rieswick, die laut einem ausführlichen Porträt von eppenberger-media.ch vor der Eröffnung des eigenen Ladens noch nie einen Bioladen betreten hatten. Der Name ist ein bewusster Scherz: LPG stand im DDR-Sprachgebrauch für Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, und die Gründer deuteten dieselben drei Buchstaben als Lecker, preiswert und gesund um. Das Mitgliedschafts-Rabattsystem, das die Kette bis heute prägt, stammt aus einer unwahrscheinlichen Quelle: Schauerte und Rieswick hörten zufällig ein Gespräch darüber am Nebentisch ihrer Stammkneipe mit, und fuhren noch am nächsten Tag nach Kiel, um sich das Modell vor Ort anzusehen, bevor sie es für Berlin anpassten. Mehr als dreißig Jahre später sind beide Gründer noch immer LPGs Geschäftsführer, und die Kette hat nie ein einziges Geschäft außerhalb Berlins eröffnet. Sie betreibt inzwischen 10 Filialen in der Stadt, darunter das Flaggschiff in der Kollwitzstraße 17 in Prenzlauer Berg, ein 1.600 Quadratmeter großes Geschäft mit rund 18.000 Produkten, das das Unternehmen selbst als Europas größten Bio-Supermarkt bezeichnet, dazu eine eigene Bio-Bäckerei, Emely’s Garden, mit Sitz in der Tempelhof-Filiale.

Die Mitgliedschaft selbst ist freiwillig. LPGs eigene aktuelle Mitgliedsseite stellt fest, dass jede und jeder dort zu regulären Preisen einkaufen kann, ein Beitritt schaltet lediglich einen günstigeren Mitgliedspreis frei, für einen monatlichen Beitrag von 17,90 Euro im Einzeltarif (12,78 Euro bei einem Nettoeinkommen unter 1.000 Euro), oder 10,20 Euro pro Person im geteilten Gemeinschaftstarif für zwei oder mehr zusammenlebende Personen. Das Unternehmen selbst legt nahe, dass sich eine Mitgliedschaft erst lohnt, sobald die wöchentlichen Lebensmittelausgaben eines Haushalts dort rund 35 Euro erreichen, und eine Kündigung erfordert keine Formalität, wirksam zum Ende jedes beliebigen Monats.

Berlins vier große eigenständige Bio-Supermarktketten
KetteHerkunftPräsenz in BerlinWas auffällt
LPG BiomarktIn Berlin gegründet, 199410 Filialen, alle in BerlinFreiwilliges Mitgliedspreismodell; noch immer von den ursprünglichen Gründern geführt
Bio CompanyIn Berlin gegründet, 199949 von 59 bundesweiten Filialen in BerlinKeine Mitgliedschaftspflicht; zog sich 2023 aus Hamburg zurück, um sich regional zu fokussieren
AlnaturaBundesweite Kette (Sitz in Hessen)20 Filialen, neueste in Neukölln, Sommer 2026156 Filialen bundesweit in 73 Städten
Denns BioMarktBundesweite Kette (dennree Gruppe)50+ Filialen, größter Einzelketten-Fußabdruck BerlinsTeil eines 411-Filialen-Netzwerks in Deutschland/Österreich, Stand Ende 2025

Bio Company: Berlins andere hausgemachte Kette, und zwei konkurrierende “Erste”-Ansprüche

Berlins zweite hausgemachte Bio-Kette wählte von Anfang an bewusst einen anderen Ansatz als LPG. Bio Company eröffnete am 29. November 1999 die erste Filiale in der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg, gegründet von der Krankenschwester Undine Paul und dem Manager Georg Kaiser, fünf Jahre nach LPG. Bio Companys eigene Geschichtsseite beschreibt dieses Debüt, einen 280 Quadratmeter großen Vollsortiment-Supermarkt, ebenfalls als Berlins ersten Bio-Supermarkt, ein Anspruch, der neben LPGs fünf Jahre früherem Gründungsdatum seltsam wirkt, und das eigentliche Unterscheidungsmerkmal, das das Unternehmen betont, ist nicht die Chronologie, sondern dass Bio Company von Anfang an ganz ohne Mitgliedschaftspflicht startete, ein Laufkundschaftsformat von Beginn an.

Bio Company wuchs in den folgenden zwei Jahrzehnten weit über LPGs Berlin-only-Fußabdruck hinaus, expandierte ab 2006 nach Brandenburg, ab etwa 2008 nach Hamburg und bis 2011 nach Dresden, bevor sich das Unternehmen im Juli 2023 vollständig aus Hamburg zurückzog, um sich wieder auf sein Kerngebiet Berlin, Brandenburg und den ostdeutschen Raum zu konzentrieren. Diese Neufokussierung zeigt sich in den aktuellen Zahlen: Laut handelsdatens aktuellstem Branchenranking betrieb Bio Company zum 1. Januar 2026 bundesweit 59 Filialen, zwei weniger als im Jahr zuvor, und supermarktcheck.des Berlin-Filialverzeichnis listet 49 davon weiterhin innerhalb Berlins selbst, das heißt, der größte Teil des gesamten Fußabdrucks der Kette liegt innerhalb der Stadt, in der sie begann.

Der Artikel von 2007, der Berlins Bio-Lebensmittel-Ruf seinen Namen gab

Prenzlauer Bergs Verbindung zu umweltbewusstem, wohlhabendem Lebensmitteleinkauf ist nicht nur ein Eindruck von außen, sie hat einen konkreten Ursprung, eine konkrete Autorenschaft, und einen konkret im Text genannten Supermarkt. Im November 2007 veröffentlichte der Journalist Henning Sußebach einen Text im Zeitmagazin Leben, der den Begriff Bionade-Biedermeier prägte, eine Kombination aus dem Bio-Erfrischungsgetränk Bionade und Biedermeier, der zugeknöpften, häuslichen mitteleuropäischen Epoche des 19. Jahrhunderts, um Prenzlauer Bergs Wandel zu beschreiben, den dewiki.des Zusammenfassung des Begriffsursprungs als Lebensstil wohlhabender, gebildeter, sozial bewusster junger Familien rahmt. Sußebach stellte später, 2017, klar, dass die eigentliche Überschrift von einem Kollegen, Tillmann Prüfer, stammte, auch wenn die Berichterstattung und Rahmung von ihm selbst waren.

Der Text beginnt, laut taz.des Rückblick auf den Originaltext, mit einem kurdisch-türkischen Gemüsehändler auf der Schönhauser Allee, der nicht mehr versteht, warum seine Stammkundschaft sein Obst und Gemüse ablehnt, weil sie, in Sußebachs Rahmung, angefangen hatte, einen Lebensstil statt Lebensmittel zu kaufen. Derselbe Text nennt ausdrücklich LPG und beschreibt Anwohnerinnen und Anwohner, die dort ökologische Katzenkroketten kaufen, als kleines, konkretes Detail, das das breitere Konsummuster des Viertels einfangen soll. Fast zwei Jahrzehnte später ist der Begriff im deutschen öffentlichen Leben immer noch geläufig genug, dass der Grünen-Politiker Jürgen Trittin ihn 2014 als Warnung vor einer eigenen Partei-Drift in das anrief, was er ökologischen Spießertum nannte.

Nahaufnahme frischer weißer Radieschen mit grünen Blättern und langen Wurzeln, aufgehäuft in einer Holzkiste, keine Personen, Logos oder lesbaren Texte sichtbar

Foto von Matt Webster auf Pexels

Die demografische Realität hinter dem Ruf ist real, aber konkreter, als das Klischee vermuten lässt. Die Berichterstattung der Berliner Zeitung über die Gentrifizierung des Viertels berichtet, dass die Akademikerquote in den sanierten Blocks rund um Kollwitzplatz und Helmholtzplatz inzwischen bei angeblich 75 Prozent liegt, eine tatsächlich auffällige Konzentration. Der andere langjährige Spitzname des Bezirks, Schwangerschaftshügel, für eine angeblich extrem hohe Geburtenrate, hält sich unter Berlins eigener Statistik weniger gut: ein separater Bericht der Berliner Zeitung setzt Prenzlauer Bergs tatsächliche Geburtenrate bei 44 pro Tausend Frauen im gebärfähigen Alter an, nur leicht über dem Stadtdurchschnitt und deutlich hinter dem Außenbezirk Malchow mit 74. Der Tagesspiegel berichtete seither, dass der berühmte Babyboom des Bezirks selbst seit Jahren verblasst, mit Geburtenzahlen fast 20 Prozent unter ihrem Höchststand.

Alnatura und Denns BioMarkt: Der Berliner Fußabdruck der bundesweiten Ketten

Beide dieselben bundesweiten Ketten, die auch in München und Hamburg zu finden sind, haben ebenfalls eine bedeutende Berliner Präsenz, und beide investieren aktiv in die Stadt. Alnaturas eigene Berliner Marktseiten listen 20 aktuelle Standorte, verteilt von Frohnau im Norden bis Lichterfelde im Süden, von 156 Super Natur Märkten in 73 deutschen Städten laut der Pressemitteilung des Unternehmens vom März 2026. Dieselbe Mitteilung kündigte Alnaturas allererste Neukölln-Filiale an, einen rund 740 Quadratmeter großen Standort in der Pannierstraße, der im Sommer 2026 eröffnet, dazu eine Renovierung der Kreuzberger Filiale in der Schleiermacherstraße (seit Februar 2010 geöffnet, Erweiterung um rund 100 Quadratmeter auf insgesamt 700), die im selben Herbst wiedereröffnet, und eine Modernisierung der Prenzlauer-Berg-Filiale in der Schönhauser Allee, einschließlich neuer Kühltechnik und Beleuchtung, im selben Sommer.

Denns BioMarkt betreibt den größten Einzelketten-Fußabdruck jedes Bio-Supermarkts in Berlin. Die eigene Seite, biomarkt.de, wirbt mit mehr als 50 Berliner Standorten, verteilt über Bezirke wie Mitte, Friedrichshain, Kreuzberg, Prenzlauer Berg, Charlottenburg, Steglitz-Zehlendorf und Neukölln. Denns gehört zur dennree Gruppe, die Ende 2025 insgesamt 411 Denns BioMärkte in Deutschland und Österreich meldete, dieselbe bundesweite Größenordnung, die der Kette auch in München und Hamburg einen vergleichbaren Vorteil verschafft.

Was das Siegel im Regal weiterhin garantiert

Unabhängig davon, in welcher der vier Berliner Ketten man steht, erfüllt jedes Produkt mindestens den EU-Bio-Standard, Verordnung 2018/848, der chemisch-synthetische Pestizide, mineralischen Stickstoffdünger und Gentechnik verbietet. Das ist eine echte gesetzliche Untergrenze, keine Marketingsprache, aber gleichzeitig auch das lockerste Siegel, das im Regal eines Berliner Bio-Supermarkts zu finden ist, da es eine teilweise Betriebsumstellung erlaubt und ein breiteres Spektrum an Zusatzstoffen zulässt als Deutschlands eigene Anbauverbände. Bioland, Deutschlands größter Öko-Landbau-Verband, verlangt eine vollständige statt einer teilweisen Betriebsumstellung und erlaubt weniger Zusatzstoffe. Demeter, der älteste der drei, in der biodynamischen, anthroposophischen Landwirtschaft verwurzelt, gilt allgemein als der strengste. Naturland legt zusätzlich zu den ökologischen auch soziale und Fair-Trade-Kriterien an, relevant, sobald die Lieferkette eines Produkts importierte Waren umfasst. Alle vier Berliner Ketten führen eine Mischung aus Zertifizierungsstufen nebeneinander in denselben Regalen, statt sich durchgehend auf eine festzulegen. LPG fügt eine weitere, speziell auf die eigene Beschaffungsphilosophie bezogene Ebene hinzu: Das Unternehmen bevorzugt Lieferanten innerhalb von rund 200 Kilometern um Berlin, ein regionales Beschaffungsversprechen, das neben, nicht anstelle der Zertifizierungsfrage steht.

Auch das Budget realistisch einplanen. Wie in München und Hamburg liegen Bio-Lebensmittel bei allen vier Berliner Ketten allgemein 20 bis 40 Prozent über vergleichbaren konventionellen Preisen, wobei die tatsächliche Schärfe dieses Aufschlags stark nach Produktkategorie variiert, statt gleichmäßig über den ganzen Einkaufskorb zu gelten, alltägliche Grundnahrungsmittel wie Eier, Milch und Brot sind meist ein besserer Test, als von einem einzigen pauschalen Aufschlag für alles Gekaufte auszugehen.

Schritt für Schritt

  1. Ist es wichtig, ein in Berlin gegründetes Unternehmen zu unterstützen, beginnen Sie mit LPG oder Bio Company. LPG (10 Filialen, freiwillige Mitgliedschaft ab 10,20-17,90 Euro im Monat) hat die Stadt nie verlassen; Bio Company (49 von 59 Filialen) fährt stattdessen ein mitgliedschaftsfreies Laufkundschaftsformat.
  2. Für die breiteste, vorhersehbarste Auswahl zuerst Alnatura oder Denns BioMarkt prüfen. Denns allein listet mehr als 50 Berliner Standorte, mehr als jede andere Kette der Stadt.
  3. Nicht annehmen, dass LPG eine Mitgliedschaft zum Einkaufen voraussetzt. Jede und jeder kann zu regulären Preisen kaufen; eine Mitgliedschaft schaltet nur eine günstigere Stufe frei, und sie lohnt sich hauptsächlich, sobald die wöchentlichen Ausgaben rund 35 Euro übersteigen.
  4. Ist ein bestimmter Anbaustandard wichtig, das Etikett des einzelnen Produkts lesen. Alle vier Ketten mischen EU-Mindeststandard-, Bioland-, Naturland- und Demeter-zertifizierte Produkte in denselben Regalen.
  5. Prenzlauer Bergs "Schwangerschaftshügel"-Ruf nicht für bare Münze nehmen. Die tatsächliche Geburtenrate liegt nur leicht über Berlins Stadtdurchschnitt, und sie sinkt seit Jahren.
  6. Bei Interesse am Bio-Lebensmittel-Ruf des Viertels lohnt sich ein Blick auf Sußebachs Originaltext von 2007. Er ist die tatsächliche Quelle von "Bionade-Biedermeier", und er nennt einen echten Berliner Bio-Supermarkt namentlich.

Hinweis zur Verlässlichkeit

Diese Seite spiegelt öffentlich verfügbare Unternehmensinformationen, historische Presseberichterstattung und demografische Berichte, Stand Mitte 2026. Filialzahlen, Standorte, Mitgliedstarife und Bezirksdemografie ändern sich mit der Zeit; aktuelle Details bitte direkt bei der jeweiligen Kette bestätigen, bevor Annahmen über ein bestimmtes Geschäft getroffen werden.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Muss ich Mitglied werden, um bei LPG Biomarkt einzukaufen?

Nein. LPGs eigene Mitgliedsseite stellt unmissverständlich fest, dass jede und jeder dort einkaufen kann, eine Mitgliedschaft schaltet lediglich einen günstigeren Mitgliedspreis über den regulären Preis hinaus frei. Der Beitritt kostet aktuell einen monatlichen Beitrag statt einer hohen Vorauszahlung: 17,90 Euro im Monat für einen Einzeltarif (ermäßigt auf 12,78 Euro für alle mit weniger als 1.000 Euro Nettoeinkommen), oder 10,20 Euro pro Person für einen Gemeinschaftstarif, geteilt von zwei oder mehr zusammenlebenden Personen. LPGs eigene Erläuterung legt nahe, dass sich eine Mitgliedschaft erst lohnt, sobald ein Haushalt dort wöchentlich rund 35 Euro oder mehr für Lebensmittel ausgibt, und die Kündigung ist formlos, wirksam zum Ende jedes beliebigen Monats.

Was kam in Berlin zuerst, LPG Biomarkt oder Bio Company, und spielt das überhaupt eine Rolle?

Das hängt davon ab, wessen Material man liest, und die Diskrepanz selbst lohnt sich zu kennen, bevor man das Marketing eines der beiden Unternehmen für bare Münze nimmt. LPG eröffnete 1994 und beschreibt sich selbst als ersten Bio-Supermarkt der Stadt. Bio Company eröffnete fünf Jahre später, 1999, und die eigene offizielle Geschichtsseite beschreibt auch dieses Debüt, in der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg, als Berlins ersten Bio-Supermarkt, ein Anspruch, der neben LPGs fünf Jahre früherem Gründungsdatum seltsam wirkt, und das eigentliche Unterscheidungsmerkmal, das das Unternehmen betont, ist nicht die Chronologie, sondern dass Bio Company von Anfang an ganz ohne Mitgliedschaftspflicht startete, ein Laufkundschaftsformat von Beginn an. In der Praxis sind beide tatsächlich in Berlin gegründet, und die Wahl zwischen beiden hängt heute davon ab, ob man LPGs Mitgliedspreismodell oder Bio Companys mitgliedschaftsfreies Laufkundschaftsformat bevorzugt, nicht davon, wer technisch zuerst die Türen öffnete.

Ist Berlins Bio-Lebensmittel-Ruf, die 'Bionade-Biedermeier'-Idee, tatsächlich mit dem Einkaufen verbunden, oder ist das weit hergeholt?

Es ist eine echte und ziemlich direkte Verbindung, nicht weit hergeholt. Der ursprüngliche Zeitmagazin-Leben-Text des Journalisten Henning Sußebach vom November 2007, der Artikel, dem der Begriff zugeschrieben wird (auch wenn Sußebach später sagte, die eigentliche Überschrift stamme von einem Kollegen, Tillmann Prüfer), beginnt mit einem kurdisch-türkischen Gemüsehändler auf der Schönhauser Allee, der nicht mehr versteht, warum Prenzlauer-Berg-Bewohnerinnen und -Bewohner sein Obst und Gemüse ablehnen, weil sie, in der Rahmung des Artikels, einen Lebensstil kauften statt Lebensmittel. Derselbe Text beschreibt ausdrücklich Anwohnerinnen und Anwohner, die bei LPG ökologische Katzenkroketten kauften, als kleines, konkretes Symbol für das breitere öko-wohlhabende Konsummuster des Viertels. Der Begriff hält sich seither fast zwei Jahrzehnte in deutschen Medien und politischer Kommentierung.

Welche Kette hat gerade tatsächlich die meisten Filialen in Berlin?

Denns BioMarkt, mit klarem Abstand. Die eigene Seite, biomarkt.de, wirbt mit mehr als 50 Berliner Standorten, vor Alnaturas 20 Filialen (von 156 Filialen bundesweit laut der Pressemitteilung vom März 2026), Bio Companys 49 (laut supermarktcheck.des Berlin-Verzeichnis, von 59 Filialen bundesweit), und LPG Biomarkts 10, die allesamt in Berlin bleiben. Denns gehört zur dennree Gruppe, die Ende 2025 insgesamt 411 Denns BioMärkte in Deutschland und Österreich meldete, was der Kette in Berlin denselben bundesweiten Größenvorteil verschafft wie in München und Hamburg.

Ist Prenzlauer Berg tatsächlich noch das Viertel mit Berlins höchster Geburtenrate, oder ist das veraltet?

Es ist eher Mythos als aktuelle Statistik, und war es vermutlich schon immer eher als Fakt. Berlins eigene Zahlen, von der Berliner Zeitung berichtet, setzen Prenzlauer Bergs Geburtenrate bei 44 Geburten pro Tausend Frauen im gebärfähigen Alter an, nur leicht über dem stadtweiten Durchschnitt und deutlich hinter dem Außenbezirk Malchow mit 74, dem tatsächlichen stadtweiten Spitzenreiter. Neuerdings berichtete der Tagesspiegel, dass der viel diskutierte Babyboom in Prenzlauer Berg und dem weiteren Bezirk Pankow selbst seit Jahren verblasst, mit Geburtenzahlen, die fast 20 Prozent unter ihrem Höchststand liegen, teilweise auf einen Mangel an familiengerechtem Wohnraum zurückgeführt. Das Kinderwagen-und-Café-Bild hält sich, aber die zugrunde liegende demografische Geschichte hat sich weiterentwickelt.

Muss ich bei Berlins Bio-Supermärkten speziell auf Bioland-, Naturland- oder Demeter-Siegel achten?

Wenn ein bestimmter Anbaustandard wichtig ist, ja, der Name des Ladens allein sagt nichts darüber aus, welche Zertifizierung ein bestimmtes Produkt trägt. Alle vier großen Berliner Ketten führen eine Mischung aus Produkten auf dem EU-Bio-Mindeststandard, EU-Verordnung 2018/848, und Produkten mit den strengeren Bioland-, Naturland- oder Demeter-Verbandszertifizierungen, meist in denselben Regalen. LPGs eigenes Beschaffungsversprechen fügt eine weitere, wissenswerte Ebene hinzu: Das Unternehmen bevorzugt Lieferanten innerhalb von rund 200 Kilometern um Berlin, ein regionales Beschaffungsversprechen, das neben, nicht anstelle der Zertifizierungsfrage steht.